Fr, 24. November 2017

Nach Messerattacke

10.03.2017 14:06

Ex-Freundin verprügelt: FPÖ-Bezirksrat verurteilt

"Ich hab einfach nicht gewusst, wie ich mir helfen soll. Ich wollte keine Schmerzen mehr. Ich wollte nicht geschlagen werden." Mit diesen Worten hat eine 28-jährige Wienerin am Freitag im Landesgericht erklärt, weshalb sie ihrem gewalttätigen Freund (30), einem FPÖ-Bezirksrat, im April 2016 nach einem heftigen Streit einen beinahe tödlichen Messerstich versetzt hat. Der Schöffensenat sprach die Angeklagte schließlich frei, weil sie in Notwehr gehandelt hatte. Der 30-jährige Ex-Freund wurde hingegen wegen fortgesetzter Gewaltausübung verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Das Paar hatte sich 2011 im Urlaub in Kärnten kennengelernt. Nur wenige Wochen nachdem sie zusammenkamen, wurde die junge Frau schwanger. Von einer heilen Beziehungswelt war das Paar bald danach weit entfernt - noch während der Schwangerschaft traten bereits die ersten Probleme auf.

Nach der Geburt des Sohnes wurde die Situation noch schlimmer: Der 30-jährige FPÖ-Bezirksrat wurde immer wieder gegen die Mutter seines Kindes gewalttätig, riss seine Freundin an den Haaren, würgte und schlug sie, versetzte ihr Fußtritte. "Er hat sie über Jahre hinweg massiv misshandelt. Es war öfters notwendig, dass sie im Spital behandelt wurde", erklärte ihr Verteidiger Christian Werner.

Zweimal trennte sich die Frau von ihrem Partner für mehrere Monate, versöhnte sich aber wieder und kehrte zu ihm zurück. "Es war der nahezu krankhafte Drang von ihr, ein normales Familienleben führen zu wollen", sagte dazu ihr Rechtsvertreter. Außerdem habe die Frau befürchtet, im Fall einer Trennung das Sorgerecht für das gemeinsame Kind zu verlieren. Der Vater ihres Lebensgefährten ist ebenfalls - in hoher Position - in der Wiener Stadtpolitik tätig, der 28-Jährigen soll zu verstehen gegeben worden sein, dass er entsprechenden Einfluss habe und allfällige Probleme seines Sohnes "richten" könne.

Am Abend des 18. April 2016 kam es erneut zu Handgreiflichkeiten. Die Frau zog sich ins Gästezimmer zurück, der 30-Jährige folgte ihr laut Anklage, soll sie beschimpft, ihr in den Rücken geboxt und sie - als sie in die Küche flüchtete - an den Haaren gezogen haben. Da nahm die 28-Jährige ein Brotmesser aus einem Messerblock und versetzte dem Mann einen Stich unter die rechte Achsel. "Ich habe gewusst, es wird nicht aufhören, er wird auf mich hinprügeln die ganze Nacht", rechtfertigte sie sich.

Freund mit Messer lebensbedrohlich verletzt
Die Verletzung war aufgrund des enormen Blutverlustes lebensbedrohlich. "Ich sterbe", soll der 30-Jährige gesagt haben. Doch die 28-Jährige verständigte umgehend die Rettung und bemühte sich bis zu deren Eintreffen, die Blutung zu stillen.

"Es sprechen sehr viele Dinge für die Verantwortung der Angeklagten", stellte der Richter fest. Die Frau habe nachweislich "jahrelange Verletzungen erleiden müssen" und am Ende "das zur Verfügung stehende Mittel gewählt, das den Angriff verlässlich abwehrt", so der Richter. Insofern liege keine Notwehrüberschreitung vor. Der Freispruch für die 28-Jährige ist bereits rechtskräftig, der Staatsanwalt war damit einverstanden.

Zehn Monate auf Bewährung für Ex-Freund
Der 30-Jährige saß am Freitag neben seiner nunmehrigen Ex-Freundin ebenfalls auf der Anklagebank - die Staatsanwaltschaft legte ihm fortgesetzte Gewaltausübung zur Last. Dafür wurden ihm zehn Monate auf Bewährung aufgebrummt. Überdies muss er seiner ehemaligen Lebensgefährtin eine finanzielle Wiedergutmachung in Höhe von 500 Euro bezahlen. Ob er die Verurteilung akzeptiert, wollte sich der Mann noch durch den Kopf gehen lassen. Er erbat Bedenkzeit. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Wird Mandat zurücklegen"
"Aufgrund des Schuldspruchs wird der verurteilte FPÖ-Bezirksrat mit sofortiger Wirkung sein Mandat und sämtliche Parteifunktionen zurücklegen. Die Geschäfte der Fraktion hatte seit der ersten Verhandlung bereits sein Stellvertreter geführt", so FPÖ-Landesparteisekretär Toni Mahdalik am Freitag.

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