Mi, 24. Jänner 2018

Serie: Teil 5

08.03.2017 15:03

Auf großer Shoppingtour im "Ziegelstadl"

Einmal pro Woche dürfen die Insassen im Lebensmittelgeschäft, das sich innerhalb der Haftmauern befindet, verschiedene Produkte einkaufen.

Ein eigenes Lebensmittelgeschäft im Inneren der Justizanstalt Innsbruck damit hätten wohl nicht allzu viele gerechnet. Bis Ende des Jahres betreibt diesen Laden eine heimische Kauffrau, ab 2018 übernimmt diese Aufgabe ein Großhändler aus Niederösterreich und zwar in allen Justizanstalten Österreichs.

Lebensmittel, Zigaretten, Zeitungen

Bei der Eingangstür stehen Einkaufswägen bereit, unmittelbar danach sind gleich mehrere Kühlregale aneinandergereiht. Darin sind beispielsweise Milch, Käse, Butter, verschiedene Wurstsorten und Joghurt zu finden. Danach kommen einfache Regale mit vielen weiteren Lebensmitteln: Brot, Honig, Marmelade, Ketchup, Mayonnaise, Süßigkeiten, alkoholfreie Getränke sowie Hygieneartikel. Und am Ende des Geschäfts dort, wo sich die Kassa befindet gibt es noch Zigaretten und Zeitungen aus diversen Ländern und in diversen Sprachen.

Einmal pro Woche ist das Geschäft geöffnet

"Die Insassen können hier einmal in der Woche einkaufen und zwar mit dem Geld, das ihnen durch das Arbeiten zusteht oder das ihnen privat zur Verfügung steht", informiert Justizwache-Beamtin Maria Windisch (36). Diese Lebensmittel erhalten die Häftlinge zusätzlich zu den drei Mahlzeiten pro Tag und sie werden von ihnen direkt in den Haftzellen gelagert.

Fenster als Kühlschrank

Doch dabei gibt es vor allem im Sommer ein Problem. "In den Zellen fehlen Kühlschränke, was zugleich bedeutet, dass Milch und Joghurt schnell schlecht werden. Im Winter stellen die Insassen diese Lebensmittel immer wieder an das Fenster", informiert Windisch. Ist eine Lösung dieses Problems in Sicht? "Gespräche, ob die Zellen demnächst mit Kühlschränken ausgestattet werden, laufen angeblich", fügt die 36-Jährige hinzu.

Kriminelle Machenschaften

Der ein oder andere Insasse nützt diese wöchentliche Shoppingtour auch für kriminelle Machenschaften. Windisch: "Es kommt immer wieder vor, dass sie hier drinnen Lebensmittel stehlen. Einmal haben wir einen gefilzt, der zwei Hosen übereinander an hatte. Und zwischen den Hosen hatte er in Summe drei Gläser voller Kaffee, sieben Snickers sowie zwei Liter Milch versteckt."

Haftstrafe verlängert sich

Diese Delikte werden von den Justizwache-Beamten weitergeleitet. "In der Folge wird vom Gericht entschieden, inwiefern die Haftstrafe des ’Ladendiebes’ verlängert wird", erklärt Windisch. Aber dann gibt es auch jene Insassen, die noch im Geschäft Süßigkeiten essen, das jeweilige Papier dann aber an der Kasse vorweisen und das Produkt bezahlen. "Deshalb ist es unabdingbar, dass immer Aufsichtspersonen anwesend sind, die jeden einzelnen beobachten", teilt die Justizwache-Beamtin mit.

Lesen Sie morgen: Die geschulte Einsatzgruppe greift zum Beispiel bei Schlägereien unter den Insassen ein.

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

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