Mi, 24. Jänner 2018

Streit mit Erdogan

06.03.2017 16:40

Klartext von Seinitz: "Einmal Türke, immer Türke"

Vor 50 Jahren waren sie als Gastarbeiter geholt worden. Bald stellte sich heraus: "Sie sind gekommen, um zu bleiben." Es folgten Familiennachzug, Ghettos. Probleme wuchsen.
Schließlich kam der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, der sich derzeit in etlichen EU-Staaten unbeliebt macht, um alles nur noch schlimmer zu machen: "Assimilation ist Verbrechen", donnerte er.

Der Sultan ist die Speerspitze einer Ideologie, die schon frühere türkische Staatsführungen vertraten: "Einmal Türke, immer Türke". Diese Ideologie betrachtet die Millionen Türken in Europa schlicht und einfach als Vergrößerung der Türkei. Türken im Ausland wurden und werden vom türkischen Staat festgehalten, sei es, dass das Erbrecht an die türkische Staatsbürgerschaft geknüpft ist, sei es durch Gehirnwäsche der vom Staat entsandten Imame oder durch den Sender Türksat.

Türkische Politiker von Erdogan abwärts betrachten es als ihr Recht, in Deutschland oder Österreich aufzutreten, als sei es Inland. Grundsätze des gastrechtlichen Verhaltens werden einfach missachtet. Bleibt nur die Frage: Soll man einem Diktaturregime erlauben, bei uns "Wahlkampf" zu machen - gegen uns.

Es ist Schadensabwägung: Lässt sich Europa provozieren und greift zu Verbotsmaßnahmen, bekommen das die Türken in Europa durch noch mehr Druck aus Ankara zu solidarischem Verhalten zu spüren.

Ein Teufelskreis, den wir uns vor 50 Jahren selbst geschaffen hatten. Erdogan hat aber klare Verhältnis geschaffen: Er hat endgültig die Türkei von Europa abgekoppelt. Zurück bleibt eine orientierungslose türkische Diaspora, verloren im nationalen Taumel.

Kurt Seinitz, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden