Do, 18. Jänner 2018

Opfer geschockt

27.10.2006 19:48

¿Mein 2. Geburtstag! Aber ich mache mir Vorwürfe!¿

„Es ist wie ein zweiter Geburtstag. Aber ich mache mir Selbstvorwürfe. Ob ich nicht etwas tun hätte können.“ Noch unter Schock steht Hans-Peter Richtsfeld (26) aus Herzogsdorf nach dem Geisterfahrer-Unfall auf der Linzer Stadtautobahn. Der schuldlose Lenker hatte 1000 Schutzengel. Er durfte das Spital verlassen.

Am ARBÖ-Stützpunkt in Linz, wohin Hans-Peter Richtsfeld unterwegs war, als ihn der Geister-VW-Polo rammte, traf die „OÖ-Krone“ das Geisterfahrer-Opfer. „Ich kann mich nur an die Lichter erinnern. Und dann, dass ich wieder wach geworden bin“, sagt Richtsfeld. Dass er noch auf die Bremse gestiegen und eine mehr als zehn Meter lange Bremsspur hingelegt hatte, hat ihm die Polizei erzählt. „Ich bin aus dem Wagen und reflexartig zum anderen Auto. Dort hab ich nur einen Arm heraushängen sehen. Dann kam auch schon die Feuerwehr“, erinnert sich der Pannenfahrer. Von Helfern erfuhr er, dass der Geisterfahrer Roland Pilz (22) aus Mönchdorf und sein gleichaltriger Beifahrer Heinz Großsteiner aus Asten tot waren. Ich mach mir Vorwürfe, sagt Richtsfeld. Kollegen, Freunde und Polizei antworten: „Du hast keine Schuld. Sei froh, dass du noch lebst!“

Opfer für einen Kollegen eingesprungen...
Und das ist Richtsfeld, umarmt mit seinem eingegipsten Arm Freundin Andrea Hainzl (24), als sie den zerstörten Pannenwagen besichtigen. Der Mühlviertler schüttelt den Kopf: „Ich mach´ nur selten Nachtdienste. Diesmal bin ich für einen Kollegen eingesprungen. Vielleicht wär´s ihm nicht passiert.“

Im UKH wurde Richtsfeld Zeuge einer weiteren Tragödie: Sein Bettnachbar erfuhr am Nachmittag telefonisch, dass dessen Verwandte Yvonne Gall (25) aus Linz in St. Florian bei Linz tödlich verunglückt war. Inzwischen wird nach dem Geisterfahrer-Unfall der Ruf nach zusätzlichen „Krallen“ bei gefährlichen Autobahnauf- und Abfahrten laut. „Eine Kralle kostet samt Einbau knapp 30.000 Euro. Das Land würde die Finanzierung übernehmen“, bietet Verkehrsreferent Erich Haider - zum wiederholten Male - an.

 

 

Foto: Markus Schütz

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