Di, 24. Oktober 2017

Theaterkritik

05.03.2017 20:57

Eine Erstaufführung in der Klischeefalle

Um Geschlechterkonstruktionen geht es dem deutschen Autor Philipp Löhle in seinem Text "Du (Norma)". Allerdings verfängt er sich dabei recht schnell in unzähligen Klischees. Im Haus 2 des Grazer Schauspielhauses erlebte das Stück in einer Inszenierung von Dominic Friedl seine österreichische Erstaufführung.

Mehr erzählt als gespielt wird die Geschichte von Norma, die schon als kleines Mädchen zum Puppenspielen angehalten, von den Jungs ausgegrenzt, später auf einer Party vergewaltigt und in der Schule dafür auch noch bestraft wird. Das Studium schmeißt sie natürlich hin, und die Abwärtsspirale dreht sich immer schneller, als auch noch fälschlicherweise Aids bei ihr diagnostiziert wird.

Noch nicht genug Klischees? Natürlich wird sie schwanger. Weil sie Drogen nimmt, wird ihr das Kind weggenommen, sie prostituiert sich und wird schließlich von einem gönnerhaften Freier gerettet.

Was will der Autor eigentlich bezwecken?
Dass von der Gesellschaft vorgegebene Normen und Geschlechterkonstruktionen noch heute eine Rolle spielen, hätte man auch subtiler erzählen können. Und obwohl sich Regisseur Dominic Friedl mit Publikumsbeteiligung, Videoeinspielungen und Musik um Tempo und Action bemüht, bleibt das Ganze doch recht zweidimensional und statisch.

Da helfen die einfallsreiche Bühne (Frank Holldack) und die originellen Kostüme (Karoline Bierner) nichts, da sind auch die Schauspieler machtlos. Die Jungs (Pascal Goffin, Benedikt Greiner und Clemens Maria Riegler) wirken eigentlich viel zu nett, und Sarah Sophia Meyer ist als Norma viel zu stark und cool, um so tief in der Klischeefalle zu landen. Man wird die Frage nicht los, was der Autor mit diesem Text eigentlich bezwecken will?

Michaele Reichart, Kronen Zeitung

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