Mo, 18. Dezember 2017

Serie: Teil 2

05.03.2017 16:31

Langeweile macht die Häftlinge kreativ

Der Tagesablauf in der Justizanstalt Innsbruck ist für die Wachebeamten fix geregelt. Bei den Zellenkontrollen finden sie oft verbotene Gegenstände.

Ebene 2, kurz vor 7 Uhr: Justizwache-Beamtin Maria Windisch (36) und ihr Abteilungskommandant sind bereits voll eingespannt. "Die Häftlinge haben schon in ihren Zellen gefrühstückt. Einige von ihnen sind drogenabhängig. Je nach Art der Sucht erhalten sie noch Ersatzdrogen", erklärt sie und ergänzt: "All jene, die in unseren internen Werkstätten arbeiten, lassen wir nun aus den Zellen."

Ansuchen eintragen und Post weiterleiten

Dann kommen die Hausarbeiter an die Reihe. "Das sind ausgewählte Insassen, die für die Putzarbeiten auf der Ebene zuständig sind. Sie wischen etwa die Böden und sammeln die Wäschesäcke ein. Ein gewisses Maß an Vertrauen musst du in sie haben, denn sie sind mehrere Stunden am Stück nicht in ihrer Zelle", klärt die Justizwache-Beamtin auf. Dann wird die im Gang aufgehängte Box ausgeleert. In ihr befinden sich diverse Ansuchen von den Inhaftierten. "Der eine möchte zum Zahnarzt oder zum Psychologen, der andere telefonieren. Zudem werfen sie hier ihre Briefe ein, die versendet werden sollen", schildert die 36-Jährige. Während Briefe an das Gericht oder den jeweiligen Rechtsanwalt zugeklebt und von den Beamten nicht geöffnet werden dürfen, muss die private Post stets kontrolliert werden.

Gebastelte Dartpfeile

Um 9.30 Uhr steht der stündliche Spaziergang im Innenhof an. "Das betrifft jene Insassen, die nicht arbeiten. Jeder darf, muss aber nicht teilnehmen", berichtet Windisch. Während dieser Zeit stehen die Haftzellen leer, was heißt, dass die Beamten die Kontrollen durchführen können. "Wir schauen uns an, ob die Regeln eingehalten werden. Finden wir im Zuge dessen auch verbotene Gegenstände, werden diese konfisziert", weiß die Beamtin. Darunter waren etwa schon ein USB-Stick mit Musik, eine große Flasche gefüllt mit Brot, Früchte und Wasser ("Der Versuch, Alkohol anzusetzen") und selbst gebastelte Dartpfeile. In einer Zelle muss derzeit eine komplette Grundreinigung durchgeführt werden. "Da hat sich die Krätze ausgebreitet. Das ist bei so vielen Personen nichts Ungewöhnliches", sagt die 36-Jährige.

Komplexe Zelleneinteilung

Um die Mittagszeit wird ein neuer Häftling registriert. "Ein Nicht-Raucher. Wo haben wir ihn Platz?", grübelt Windisch. Die Zelleneinteilung entpuppt sich als Herausforderung: Nicht-Raucher sollen wenn möglich unter sich bleiben, genauso wie Raucher. "Dasselbe gilt für Arbeiter bzw. Nicht-Arbeiter. Zudem vertragen sich nicht alle Nationen miteinander", sagt sie.

Lesen Sie am Dienstag: Es gibt unterschiedliche Arten von Haftzellen im "Ziegelstadl".

Jasmin Steiner, Kronen Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden