Di, 21. November 2017

Forscher fordern:

04.03.2017 15:20

Karenzzeiten sollen jetzt radikal gekürzt werden

Arbeitslosigkeit, Mindestlohn, Arbeitszeitflexibilisierung und der sogenannte Beschäftigungsbonus - das Thema Arbeit ist derzeit aus vielerlei Gründen ein heiß diskutiertes. Jetzt könnte mit dem Thema Karenzzeiten das nächste Fass aufgemacht werden. Für Diskussionsstoff dürfte der jüngste Vorschlag der Agenda Austria allemal sorgen. Das wirtschaftsliberale Forschungsinstitut empfiehlt nämlich laut einem Medienbericht eine radikale Verkürzung der Karenzzeiten.

Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" zufolge empfiehlt Agenda Austria eine radikale Kehrtwende in der Familienpolitik. Die Karenzzeiten sollten demnach von bisher maximal 35 Monaten drastisch auf zwölf verkürzt werden - maximal sechs pro Elternteil.

Danach, so die Empfehlung der Agenda Austria, sollten Eltern einen 500-Euro-Bildungsscheck pro Monat für staatliche oder private Kinderbetreuung erhalten. Die Vorschläge sind die Schlussfolgerungen zu einer Studie des Forschungsinstituts über Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen, die dem "profil" vorliegt.

Lange Kinderpausen als "Treiber für die Gehaltsunterschiede"
Das Nachrichtenmagazin zitiert Studienautorin Monika Köppl-Turyna mit den Worten: "Die langen Kinderpausen und die Frauendomäne Teilzeitarbeit sind die größten Treiber für die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Genau dort müssen wir ansetzen." Die sogenannten bereinigten Einkommensunterschiede beziffert die Studie mit elf Prozent.

WU-Studie: Bei langer Karenz langfristig keine Einbußen
Im Vorjahr war eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass bei einer langen Karenzzeit langfristig keine finanziellen Einbußen bestünden. Demnach erleiden Mütter allerdings in den ersten Jahren nach der Karenz Einkommenseinbußen, verursacht etwa durch eine geringere Arbeitszeit.

Der Rückgang betrug im Durchschnitt 4700 Euro pro Jahr für die mehr als 31.000 untersuchten Mütter. Die Gehaltseinbußen reduzieren sich dann aber laut der WU-Studie vor allem im dritten Jahr nach dem Wiedereinstieg, da nun für den Nachwuchs mehr Kinderbetreuungsplätze als für Kleinkinder zur Verfügung stehen, sowie im sechsten Jahr mit dem Schuleintritt des Kindes.

Bei Frauen, die sich bewusst für mehr als 18 Monate Karenz entscheiden, "verschwinden kurzfristige Einkommensverluste und sie kommen schnell wieder auf das Gehaltslevel vor der Karenz", wie WU-Professorin Sylvia Frühwirth-Schnatter bei der Präsentation der Studie erklärte.

Letztlich würden aber auch die Ergebnisse der Studie laut der WU-Professorin zeigen, wie wichtig es für viele Frauen aus beruflicher Perspektive ist, schnell in ihren Beruf zurückkehren zu können. Auch gelte es, durch ausreichend Kinderbetreuungsplätze die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen.

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