Di, 24. April 2018

Serie: Teil 1

04.03.2017 13:23

Im Männertrakt mit einer Justizwache-Beamtin

Die Justizanstalt Innsbruck - ein Ort, den etliche Tiroler niemals von innen sehen. Die "Krone" hat sich deshalb einen Tag lang an die Fersen von Maria Windisch (36) aus Neustift geheftet, die Wachebeamtin im Männertrakt ist.

Sie ist verheiratet, hat zwei Kinder, und: Sie arbeitet seit rund 14 Jahren im "Ziegelstadl". "Mit 17 Jahren ging ich zum Bundesheer und ließ mich zum Unteroffizier ausbilden. Da ich dort jedoch nicht mein ganzes berufliches Leben bleiben wollte, suchte ich nach einem Dienstgeber, der mir die bereits absolvierten Jahre anrechnete", erklärt Windisch im "Krone"-Gespräch.

Für 100 Häftlinge aus 27 Nationen zuständig

Dank ihrer größeren Schwester kam sie dann auf die Justizanstalt Innsbruck. "Sie war bereits seit Jahren hier als Wachebeamtin tätig und es gefiel ihr. Daher startete ich 2003 mit der Ausbildung", fügt sie hinzu. Vor eineinhalb Jahren bewarb sie sich innerhalb der Anstalt freiwillig für einen Posten auf der Ebene 2. Das Besondere? Es handelt sich um den Männertrakt. "Im Durchschnitt haben wir hier rund 100 Häftlinge. Derzeit stammen sie aus 27 verschiedenen Nationen. Wir der Abteilungsleiter und ich sind für sie zuständig. Wenn es der Dienstplan erlaubt, wird uns ein dritter Beamter zugeteilt", sagt Windisch.

"Ein mulmiges Gefühl"

Bereut hat sie diese Entscheidung nicht. "Ich würde die 100 Männer auf keinen Fall für die weiblichen Häftlinge im Frauentrakt eintauschen. Dort gibt es teilweise heftige Zickereien", gibt die Justizwache-Beamtin Preis. Mittlerweile hat sie sich gut eingelebt, zu Beginn war das noch etwas anders. "Ich hatte oftmals ein mulmiges Gefühl, denn immerhin hast du es hier tagtäglich mit Schwerverbrechern zu tun. Doch dieses Gefühl hat sich nach den Jahren gelegt", sagt Windisch und ergänzt: "Klar, es kann dir immer etwas passieren, doch Angst habe ich keine. Sonst wäre ich hier auch falsch."

Bisher noch kein Angriff

Ihr Arbeitsplatz differenziert sich schon deutlich von anderen. Ein fensterloses Dienstzimmer mit zwei Computern, einer Gegensprechanlage über die sie überwiegend mit den Häftlingen kommuniziert , sowie einem Überwachungsbildschirm befindet sich auf der rechten Seite des langen Ganges. Einen kleinen Abstellraum - er dient als Raucherzimmer - gibt es hingegen auf der linken Seite. Diese beiden Räume werden mittels eines Gitters von den Zellen abgetrennt.

"Schauen immer durch Beobachtungsöffnung"

Obwohl sie ständig mit den Häftlingen in Kontakt tritt, hat sie bisher noch keiner attackiert. "Die Hemmschwelle gegenüber mir ist größer als gegenüber meinen männlichen Kollegen. Ich kann nicht behaupten, dass mich die Häftlinge weniger respektieren", erklärt sie. Hinzu kommt, dass die Haftraumtüren zu sind und sie zuerst immer durch die Beobachtungsöffnung hineinschaut. "Sehe ich, dass sich Häftlinge etwa prügeln was regelmäßig vorkommt hole ich die Einsatzgruppe. Das bedeutet, dass weder ich noch der Abteilungskommandant die Zellen öffnen", klärt Windisch auf.

Mit den Häftlingen per Sie

In der Kommunikation mit den Insassen ist sie bestimmend, rau und kurz angebunden. "Du musst natürlich alle gleich behandeln und deshalb lasse ich mir selten sagen, wegen welchem Delikt die Männer inhaftiert sind. Wenn ich als Mutter weiß, dass ein Häftling etwa Kindern etwas angetan hat, würde es mir wohl schwerer fallen, ihn so zu behandeln, wie jemanden, der wegen Diebstahl sitzt", sagt sie.

Eine neue Regel

Und eine Sache gibt es, die Windisch überhaupt nicht akzeptiert: "Wenn mich die Häftlinge mit meinem Vornamen ansprechen. Wir sind mit ihnen per Sie und diesen Respekt erwarte ich mir auch ganz klar von ihnen." Eine Frau im Männertrakt, mussten dafür die Regeln geändert werden? "Eine neue Regelung gibt es tatsächlich. Beim Duschgang müssen die Insassen nun ein T-Shirt sowie ein Handtuch tragen", verrät die Beamtin.

Lesen Sie am Montag: Der Tagesablauf ist fix geregelt.

Kronen Zeitung, Jasmin Steiner

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