So, 17. Dezember 2017

Menschen in Salzburg

04.03.2017 13:21

Geschäft ohne Gewinn

Neben ihrem Job als Buchhalterin steht Elke Ellinger täglich am Morgen in der Kramerei von St. Jakob am Thurn. Weil das gut für den Ort ist

Eigentlich hätte sich Elke Ellinger aus dem kleinen St. Jakob am Thurn längst einen Orden verdient: Im malerischen Dorf, das zur Tennengauer Gemeinde Puch gehört, führt sie seit 1998 ein Non-Profit-Unternehmen der besonderen Art. Eine kleine Greißlerei, die sich an sich nicht rechnet. Warum sie das macht? "Weil zu einem Dorf neben einer Kirche, einem Wirtshaus und einer Schule eben ein Kaufhaus gehört", sagt sie: "Und sonst müsste man ja wegen der geringsten Kleinigkeit hinunter ins Tal fahren."

Von Montag bis Freitag steht sie jeweils von sieben bis neun Uhr im kleinen Geschäft, Freitags und Samstags sogar bis 12 Uhr. Wenn sie unter der Woche Punkt neun Uhr schließt, muss sie sich beeilen: 15 Minuten dauert der Fußweg hinunter nach Haslach, von dort geht es mit dem Postbus zu ihrem "normalen" Arbeitsplatz in die Stadt. Elke Ellinger ist Buchhalterin bei Stefan Herzls Panorama-Tours.

Möglich wird das Offenhalten der Greißlerei dadurch, dass das Haus im Familienbesitz ist, es keine Angestellten gibt und keine Miete anfällt: Gertrud Ellinger, ihre 83-jährige Schwiegermutter, hatte die Kramerei von 1967 bis 1998 geführt, Elke Ellinger übernahm sie danach.

Dass sie die Greißlerei quasi ehrenamtlich und ohne Lohn betreibt, ist ziemlich einmalig im Land: "Es muss sich halt soweit rechnen, dass du nicht draufzahlst", sagt sie. Das Angebot ist trotzdem reichlich: Von Briefmarken bis Zigaretten, Zeitungen, Gebäck, Getränke und der Jause für die Schüler, die gleich nebenan unterrichtet werden.

Bäcker Pföß liefert nicht nur Brot und die frischen Semmeln herauf nach St. Jakob, er nimmt praktischerweise auch gleich die Ware von Fleischer Brandauer mit: "Man kann bei mir alles vorbestellen", sagt Elke Ellinger, "Was sonst noch so benötigt wird, muss ich selbst aus Salzburg holen."

Längst sind die Glanzzeiten des Geschäfts vorbei: "Jeder, der hier wohnt, fährt mit dem Auto irgendwohin zur Arbeit", sagt sie: "Seit langem gibt es ja nicht einmal mehr einen Bus in unser Dorf herauf." Und jeder kauft irgendwo am Weg in einem Supermarkt ein.

Trotzdem bleibt Elke Ellinger standhaft und für alle im Dorf der Rettungsanker. Eine alte, schon etwas verblasste Urkunde der Wirtschaftskammer für besondere Verdienste hängt an der Wand. Dass Elke Ellinger ihre Freizeit in ein Geschäft ohne Gewinn investiert, ist für sie kein Problem: "Ich kann mir St. Jakob ohne Kramer nicht vorstellen." Und sie öffnet die klemmende Tür für die nächste Kundschaft: Es ist "Charly", die getigerte Hauskatze

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