Mi, 17. Jänner 2018

Psychoterror

03.03.2017 16:00

Tipps, wie Sie Frechheit und Aggression begegnen

Unhöflichkeit, fehlender Respekt und Herabwürdigung sind die Geißeln der modernen Ich-Gesellschaft. Wir haben Tipps, wie Sie Frechheit, Aggression und schlechtem Benehmen begegnen.

Frechheit siegt? Angriff ist die beste Verteidigung? Nur weil diese großspurigen Sprüche ständig zitiert werden, müssen sie noch lange nicht richtig sein. Denn was in Politik und Wirtschaft als fragwürdiges Dogma der modernen Ich-Gesellschaft gebraucht wird, kann sich im Alltag zum Steppenbrand entwickeln. Das belegen Studien.

Unhöflichkeit ist "ansteckend"
An der Universität von Florida beobachtete Psychologe Dr. Trevor Foulk bei Versuchsteilnehmern, dass Unhöflichkeit "ansteckend" ist. Wurden die Testpersonen grundlos schlecht behandelt, gaben sie die Erfahrung anderen weiter, die mit der Ursprungssituation gar nichts zu tun hatten. Die Forscher fanden heraus, dass schon bei einem einzigen Erlebnis von "Unhöflichkeit" Gehirnareale aktiv werden, die unsoziales Verhalten, Respektlosigkeit und Unachtsamkeit bedingen.

Ähnliches bestätigte sich durch Ergebnisse in Gedächtnistests, die Prof. Rhona Flin, Robert Gordon Universität in Aberdeen, Schottland, durchführte: Rüpelhafter, unfreundlicher Umgang bei der Arbeit führt zu Fehlern und Unkonzentriertheit. Chefs, die Mitarbeiter grob zurechtweisen, verursachen damit schlechtere Leistungen.

In Deutschland setzte das Arbeitsgericht in Schleswig-Holstein ein Zeichen gegen Unfreundlichkeit: Ein Ausbildungsberater erhielt eine geschäftsinterne Abmahnung, weil sich ein Lehrgangsteilnehmer über dessen Unhöflichkeiten beschwerte. Der Beschuldigte gab dies zu und fand auch noch, das wäre normal, klagte seinerseits. Dem widersprach das Gericht. Abmahnung gerechtfertigt!

Aggression durch Angst ausgelöst
Jeder kennt ja so eine Situation schon bei den willkürlich gewählten Beispielen steigt der Ärger auf: In der 30er-Zone wird man als verantwortungsbewusster Autofahrer aggressiv angehupt, weil man die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit einhält. Der Kunde am Telefon erklärt einen für blöd und unfähig, weil man dessen Mail nicht lesen konnte, das er aber falsch adressiert hat. Im Supermarkt rempelt einen jemand an und schnauzt dann noch: "Können Sie nicht aufpassen?"

Warum trifft uns unhöfliches und herabwürdigendes Verhalten so sehr? Das erklärt Lebensberaterin Majda Moser aus Wien damit, dass Aggression durch Angst ausgelöst wird, nicht durch Stärke! Und davor sind wir selber auch nicht gefeit. Je unsicherer die eigene Befindlichkeit, umso mehr leiden wir unter Angriffen und geben negative Erlebnisse weiter.

"Unsere Arbeits- und Privatwelt ist mittlerweile sehr kompliziert geworden und verändert sich rasant. In der Konfliktsituation treffen unterschiedliche Ziele aufeinander, die als unvereinbar erlebt werden." So vertritt jeder seinen Standpunkt, auch wenn es gar nicht mehr um die Sache selbst geht.

Wie kann man sich vor Übergriffen schützen? Laut Expertin sind lösungsorientiertes Verhalten und Verbesserung des Selbstwertes sinnvoll. "Wenn wir ruhig und ausgeglichen sind, können wir Aggression annehmen und aufmerksam machen, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung ist, ohne zu erwarten, dass der andere das einsehen will oder kann", rät Majda Moser zur Deeskalation.

Hilfreiche Powersätze:

  • In meiner Ruhe komme ich besonders gut an, in meiner Klarheit wirke ich stark.
  • Meine Worte bekommen mehr Gehör, wenn ich gelassen bleibe.
  • Ich grenze mich ab, weise persönliche Angriffe zurück und achte auf meine Gefühle.
  • Ich bringe meinen Standpunkt dann ein, wenn eine Lösung möglich ist.
Karin Podolak
Karin Podolak
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