Di, 24. April 2018

Schwede tritt an

06.03.2017 12:49

Volvo V90: Besteht er gegen die Platzhirschen?

Nicht 5? Nicht E? Nicht A6? Dann vielleicht V90? So heißt die schwedische Alternative für alle, die sich am deutschen Premium-Triumvirat der Business-Kombis sattgesehen haben (oder grundsätzlich eine Abneigung gegen die Platzhirschen hegen). Aber bietet der große Volvo mehr als sein bestechendes Design? Und wie lebt es sich in einem Luxusauto mit obligatorischem Vierzylindermotor?

Zum Test tritt der Volvo V90 T6 an, der aus seinen zwei Liter Hubraum ganz entspannt 320 PS holt. Dass dies relativ aufwendig per doppelter Aufladung durch Turbolader UND Kompressor passiert, merkt man nur an der feinen Drehmomententfaltung. Satte 400 Nm beträgt das zwischen 2200 und 5400/min. bereitstehende Maximum, ein Wert, der sonst bei Dieseln üblich ist.

Mit einem 100er-Sprintwert von 6,1 Sekunden und 250 km/h Höchsttempo gibt sich das Aluminium-Triebwerk durchaus sportlich - ausnehmend sparsam ist es nicht. Statt des angegebenen Normverbrauchs von 7,5 l/100 km flossen in der Praxis 11,6 Liter durch die Leitungen.

Wer knapp 100.000 Euro ausgibt (so viel kostet der Testwagen), wird sich wahrscheinlich einen seidigen Sechszylinder erwarten, oder einen grollenden Fünfzylinder, wie früher bei Volvo. Alles abgeschafft bei den Schweden, vier gewinnt heißt es. Doch die gute Nachricht ist: Der Motorklang wirkt absolut angemessen, nie angestrengt oder nach akustischem Abstieg. Davon können andere lernen. Das einzig irritierende Geräusch ist ein Sirren der Achtgangautomatik, wenn es kalt ist.

Sehr gelassenes Fahrverhalten
Was die übrigen fürs Fahren relevanten Eigenschaften betrifft, brauchen wir weder theoretisch noch praktisch über Abstriche sprechen. Fahrverhalten und Lenkung sind absolut auf der Höhe der (Premium-)Konkurrenz. Der Volvo rollt geschmeidig ab, trägt die Insassen komfortabel und bleibt zugleich präzise, wenn der Fahrer es eilig hat. Die Lenkung vermittelt ein gutes Gefühl für gewählte und notwendige Radien.

Auch fahren lassen ist möglich
Volvos galten schon immer als besonders fortschrittlich, was die Sicherheit betrifft. So kann man auch den V90 mit Assistenten sonderzahl ausrüsten, etwa mit einer teilautonomen Fahrfunktion (bis 130 km/h), auf die man sich aber - wie bei den anderen Herstellern auch - nicht verlassen kann. Hoffentlich zuverlässig: City Safety erkennt Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger und bremst selbsttätig.

Der Innenraum: Kühl, nüchtern, aufgeräumt
Design hat bei Volvo phasenweise ganz einfach "Kante" geheißen, innen wie außen. Doch neuerdings passen die Schwedenmobile nicht nur in Garage und Hauseinfahrt, sondern durchaus in Ausstellungen moderner Kunst. Klar, aber doch emotional gezeichnet ist die Karosserie des 4,94 Meter langen Volvo V90.

Im Innenraum kann von emotional dann kaum noch die Rede sein, hier geht es eher unterkühlt zu, dabei aber höchst elegant. Damit hebt sich der Volvo stark von der Konkurrenz ab. Bedienelemente sind kaum vorhanden, ohne den zentralen, hochkant angeordneten Touchscreen geht nichts, gar nichts. Weder Klimaanlage noch Sitzheizung machen da eine Ausnahme, einzig der Lautstärkeregler sitzt als praktische Walze in der Mittelkonsole.

Das Bedienkonzept kennen wir bereits aus dem Volvo XC90. Der Weisheit letzter Schluss ist es nicht, zu unübersichtlich, zu unvorhersehbar, mit zu kleinen Schaltflächen zieht es mehr Aufmerksamkeit ab, als für den Fahrer gut ist.

Designlaster Volvo V90
Vorteil eines Kombikasten: Der Kofferraum ist riesig. Vorteil eines Designkombis wie dem V90: Er ist schön - dafür geht wegen des schrägen Hecks einiges an Ladevolumen verloren. 1526 Liter sind als Maximalwert nicht top, 560 Liter Standardvolumen gehen aber in Ordnung.

Der Einstieg ins schwedische Ladeleben beginnt bei 43.300 Euro für den 150 PS starken Diesel. Wer Benzin im Tank haben will, hat mindestens die zweite Ausstattungsstufe an Bord sowie 254 PS (T5-Motor) und Heckantrieb. Alternativ gibt es den T6-Motor mit 320 PS sowie damit grundsätzlich verbundenem Allradantrieb, was mindestens 70.000 Euro bedeutet. Man muss dazusagen, dass schon in der Basis (genannt Kinetic) Dinge wie Abstandstempomat, Zwei-Zonen-Klima sowie das Assistentenfeuerwerk samt teilautonomen Fahrfunktionen und City Safety serienmäßig sind, Parksensoren aber nicht einmal gegen Aufpreis zu bekommen sind - die sind erst bei "Momentum" dabei.

Unterm Strich
Volvo tritt (auch preislich) so selbstbewusst auf, dass man glauben könnte, das Fehlen von Sechszylindermotoren sei egal. Das wird es für den einen oder anderen auch sein - und der macht dann sicher keinen Fehler, wenn er bei den Schweden zugreift. Es lebt sich wirklich gut im V90, auch mit dem Vierzylinder (wenigstens heißt er T6). Selten war Anders-Sein so leicht und angenehm.

Warum?

  • Premium-Kombi auf schwedische Art kommt gut

Warum nicht?

  • In der Klasse ist es gewagt, auf Vierzylinder zu setzen.

Oder vielleicht …

… Audi A6 Avant, Mercedes E-Klasse T-Modell, BMW 5er Touring

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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