Di, 21. November 2017

Neubau Westbahn:

01.03.2017 19:17

Erst im Jahr 2033 fertig!

Eine Nachfrage der "Krone" bei der Abteilung "Infrastruktur" der ÖBB brachte ein niederschmetterndes Ergebnis: Der zum Großteil in Tunnels verlaufende Neubau der Westbahn-Strecke wird wenn alle Umwelt-Verfahren gut verlaufen erst im Jahr 2033 fertig!

Was bedeutet das beim Versuch, das tägliche Stau-Chaos im Norden Salzburgs zu mildern?
* Die derzeitige Westbahn-Strecke zwischen dem Hauptbahnhof/Kasern und Neumarkt-Köstendorf ist hoffnungslos überlastet.
* So scheint auch ein dichter Takt der Schnellbahn kaum möglich: Neben den internationalen Fern- und Güterzügen muss die kurvige Strecke die Railjets der ÖBB, die Intercity-Züge, die private "Westbahn" und die Diesel-Garnituren aus dem Mattigtal verkraften.
* Besser verhandelt hat das Land Niederösterreich: Da gelang es, die bereits abgesagte Güterzug-Umfahrung von St. Pölten weiter zu bauen, sie wird bereits am 10. Dezember 2017 fertig, wodurch die Westbahn-Strecke zwischen Wien und Linz durchgehend viergleisig ist.
Warum diese riesige Verspätung in Salzburg?
Die erste Trassenvariante wurde ungeschickt geplant und führte auf dem Reißbrett direkt durch Orte und Siedlungen. Die Folge war ein Bürgeraufstand und die Absage dieses Projekts.
Die Salzburger Politik rang den Planern daraufhin ein Tunnel-Projekt ab, das bis auf mehrere Anrainer-Probleme im Raum Köstendorf akzeptiert wird:
* Von Kasern beginnend werden zwei neue Gleise an den Bestand zugelegt.
* Nach Querung der Söllheimerstraße taucht die Trasse in den Untergrund ab. Die zwei Kilometer lange Grafenholz-Tunnel unterquert zweimal die bestehende Westbahnstrecke.
*Dann mündet die Hochleistungsbahn (Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h sind möglich) in den zweiröhrigen Seekirchner Tunnel mit einer Länge von 14,3 Kilometer. Er verläuft in einer Tiefe von bis zu einhundert Meter und endet nach bisheriger Planung kurz vor der Seekirchner Landesstraße in der Nähe des Palfinger-Betriebsgeländes im Gemeindegebiet von Köstendorf.
*Hier wird es Probleme geben, da eine Verknüpfung mit der so genannten Bestand-Strecke notwendig ist.
* Bis zur Salzburger Landesgrenze sind es von hier noch neun Kilometer, bis zur Bahn-Drehscheibe Attnang-Puchheim allerdings weitere 38 Kilometer. Das bedeutet: Nur eine Begradigung und Beschleunigung des gesamten Abschnitts könnte die Fahrtzeit Salzburg-Linz auf attraktive sehr 45 bis 50 Minuten drücken.
*Geht die Neubaustrecke Salzburg-Köstendorf in Betrieb, verringert sich die Fahrzeit nach Linz um fünf Minuten, man würde dann bei insgesamt 58 Minuten halten.
Die Salzburger Politik versäumte den Anschluss-Zug: Das 1999 abgesagte Projekt wurde zwar umgeplant, die Tunnel-Variante zugesagt, doch der Bau hätte terminlich fixiert werden müssen. So flossen die Gelder nach St. Pölten . . .
Aktuell sieht es so aus: Realisierung der Neubaustrecke frühestens ab 2025, Bauzeit etwa acht Jahre. Die Eröffnung findet demnach im Jahr 2033 statt.
Die Lösung kann nur in einem Gipfel-Gespräch zwischen dem Land Salzburg, dem Verkehrsministerium und Oberösterreich (mit dem neuen Landeshauptmann Thomas Stelzer) gefunden werden.

ANALYSE: Hans Peter Hasenöhrl, Kronen Zeitung

Projekt Innviertel - Tüchtige Politiker schnappen Salzburg die Firmen weg - Auch in Oberösterreich Ausbau der Mattigtal-Bahn gefordert

"Das fordern wir schon lange!" So beschreibt der Landtagsabgeordnete und Bürgermeister von Lengau in Oberösterreich, Erich Rippl, die Situation rund um den Ausbau der Mattigtal-Bahn zwischen Braunau-Mattighofen und Neumarkt/Köstendorf (Salzburg) als schnelle Lokalbahn.

850 Jobs in Lengau Das Salzburger Welt-Unternehmen Palfinger (das seine Zentrale neben der Westbahn in Kasern bauen wollte, vom Gestaltungsbeirat sekkiert und nach Bergheim vertrieben wurde) beschäftigt im Werk in Lengau 850 Menschen. Die Fabrik ist nur eineinhalb Kilometer von der nächsten Station der Mattigtal-Bahn entfernt, also eine ideale Situation für Pendler.

Elektrifizierung wichtig Für Erich Rippl ist die Elektrifizierung der Strecke und die Entschärfung oder Beseitigung von mehr als 50 unbeschrankten Bahnübergängen absolut notwendig. Der Abschnitt von Straßwalchen bis Friedburg kann nur der Anfang sein, im Endausbau soll es elektrisch bis Braunau gehen, meint er.

Gerd Brand für Ausbau Auch Rippls Kollege Gerd Brand, Verkehrssprecher der SPÖ im Salzburger Landtag, hält den Ausbau der Schienenverbindung im Innviertel für eine Möglichkeit, den gewaltigen Druck der Pendler-Ströme im Norden Salzburgs zu minimieren. Schon allein die Durchbindung von Diesel-Zügen bis nach Taxham hat viele neue Fahrgäste gebracht.

Verfahren sehr kurz "Ja, da haben sich mehrere Betriebe angesiedelt, darauf sind wir sehr stolz," beschreibt Bürgermeister Erich Rippl die Situation im oberösterreichischen Grenzraum. Weil den Firmen die Verfahren in Salzburg zu lange dauerten (trotz gegenteiliger Behauptungen der Politik und der Beamtenschaft) wählten die Chefs Lengau und Umgebung als Platz. "Dort ging es in Rekordzeit", sagt Rippl.

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