So, 19. November 2017

183,4 Mio. kassiert

27.02.2017 17:04

Eurofighter-Krimi: Die Liste der Nehmer!

183,4 Millionen Euro überwies die Firma Eurofighter vor Österreichs Jet-Kauf an Rüstungslobbyisten und an den SK Rapid - laut Strafanzeige hätte dann der österreichische Steuerzahler diese Ausgaben mit dem Gesamtkaufpreis von 1,9 Milliarden Euro mitbezahlen müssen. Auf einer sichergestellten Liste der deutschen Jet-Hersteller stehen die Namen aller elf Geldempfänger.

Das interne Papier der Firma Eurofighter Jagdflugzeug GmbH über ihr "Management & Service Agreement" zum Deal mit der österreichischen Bundesregierung bekam die "Krone" nun aus deutschen Ermittlungsakten. Darin wird exakt aufgelistet, welche Personen und Unternehmen Geld für Lobbying-Maßnahmen und mehr erhalten haben. Laut den österreichischen Ermittlern im Bundeskriminalamt und beim Bundesheer ist der Verdacht naheliegend, dass es um Schmiergeld geht.

Besprechungen mit "Dr. W. Luessel und Dr. J. Laider"

  • 8 Millionen Euro flossen von der Eurofighter GmbH laut eigenen Angaben an City Chambers Ltd. Diese Lobbying-Firma ist in Österreich bereits gut bekannt, weil sie Besprechungen mit "Dr. W. Luessel und Dr. J. Laider" in einem Tätigkeitsbericht protokolliert hat. Der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, will auch deshalb nochmals Ex-ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel vor einem U-Ausschuss befragen.
  • 4,2 Millionen Euro erhielt die P + P Consulting mit Sitz im ersten Bezirk in Wien. Geschäftsführer ist der bekannte EADS-Rüstungslobbyist Alfred Plattner.
  • 4,2 Millionen Euro gingen laut dieser Liste auch an Erhard P. Steininger, einen Waffenlobbyisten der EADS. Steininger war auch deshalb in den Schlagzeilen, weil er im Jahr 2007 vor seiner Villa in Klosterneuburg mehreren Fotografen seinen blanken Hintern gezeigt hat.
  • 500.000 Euro wurden an die EQ.CU.COM Finance in Hongkong überwiesen. Diese Firma spielte bereits bei Erhebungen gegen den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly eine Rolle.

Firma mit Ex-Mitarbeitern des ungarischen Geheimdienstes?

  • 500.000 Euro erhielt die Hortobagy Consulting in Budapest. Offiziell ist das eine Firma von Kunstflugexperten. Aus Ermittlerkreisen ist aber zu hören, dass in diesem Unternehmen Ex-Mitarbeiter des kommunistischen ungarischen Geheimdienstes tätig seien.
  • 3 Millionen Euro flossen für ein nicht näher definiertes "Sponsoring": Damit ist die Finanzhilfe für den Wiener Fußballverein Rapid gemeint, sind sich die Kriminalisten sicher. Sie stellen auch die Frage: "Was war die Leistung von Rapid?"

Größere Summen an Bestechungsgeld nach Österreich

  • 125,4 Millionen Euro, also den ganz große Brocken, erhielt die von den Ermittlungen gegen Eurofighter bereits gut bekannte Firma Vector Aerospace. Wie berichtet, sollen über dieses Unternehmen die größten Summen an Bestechungsgeld nach Österreich geflossen sein.
  • 10,5 Millionen Euro gingen an BAES (British Aerospace Electronic Systems), also an einen der weltgrößten Rüstungskonzerne.
  • 300.000 Euro bekam ALN (Alenia Aerospazio), der italienische EADS-Partner, der ebenfalls Eurofighter-Teile produziert.

"Krone" deckte auf: So frech kassierte die Firma Eurofighter ab!
Für Aufregung sorgte zuletzt auch der "Krone"-Bericht über die Machenschaften der Firma Eurofighter. In geheimen Akten zeigt sich, wie unverschämt die Jet-Hersteller mit Ersatzteilen, Service und einem "Geister-Lagerhaus" das Heeresbudget plünderten. Zum Beispiel verrechnete die Eurofighter GmbH 14.554 Euro für eine Gummidichtung. "Wir waren jahrelang brave Goldesel für die Firma Eurofighter", sagten jene Heeres-Insider, die der "Krone" die bisher vertrauliche Akten übergaben. Wie berichtet, leitete die Staatsanwaltschaft ein Betrugsverfahren ein.

Richard Schmitt
Chefredakteur krone.at
Richard Schmitt
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