Mo, 18. Dezember 2017

Glamour und Skandale

23.02.2017 12:26

Die glanzvolle Geschichte des Wiener Opernballs

Heute Abend findet der Wiener Opernball in seiner 61. Auflage statt - funkelnd und prächtig wie eh und je. Ohne Zweifel eines der Ereignisse des Jahres, sorgen rund 5100 Ballgäste, fast 1,5 Millionen Fernsehzuschauer, 1000 Tischtücher, 1300 Flaschen Sekt und Champagner, 150 Musiker und 2500 Paar Würstel für ein geradezu kaiserlich-schönes Ambiente. Hier gibt sich die Prominenz in Frack und Robe gegenseitig das Sektglas in die Hand - hat die Crème de la Crème aus Hollywood und Co. dem Opernball doch schon seit Anbeginn den Glanz und Glamour beschert, der ihn weltberühmt gemacht hat.

Am 9. Februar 1956 hat sich die Wiener Staatsoper zum ersten Mal in der Zweiten Republik in den schönsten Ballsaal der Welt verwandelt. Zur mittlerweile 61. Auflage lesen Sie hier einen Rückblick auf die bewegte Geschichte dieser Wiener Institution - an der auch Baumeister Richard Lugner durch zahlreiche geladene, mal mehr, mal weniger widerspenstige Stargäste doch beträchtlichen Anteil nimmt.

1956 findet der erste Opernball nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Herbert von Karajan begrüßt die ankommenden prominenten Gäste am Treppenabsatz im Foyer.

1962 - Zum ersten Mal gibt es mächtig Ärger: Das technische Personal und die Direktion streiten derartig, dass der Ball beinahe nicht zustande kommt. Erst auf Intervention des damaligen Unterrichtsministers Heinrich Drimmel beruhigen sich die Gemüter wieder. Schließlich begrüßt doch noch Komponist Aram Chatchaturjan die Gäste in der Oper.

1972 - Der ORF überträgt den Ball zum ersten Mal live im Fernsehen.

1978 - Spaniens König Juan Carlos I. und seine Gattin Sophie sind zu Gast.

1981 - Die große Dame des Opernballs, Lotte Tobisch, organisiert ihren ersten Ball.

1987 - Erstmals formiert sich Protest gegen die Veranstaltung. Rund 500 Personen demonstrieren gegen die Teilnahme des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß.

1989 - Placido Domingo dirigiert bei der Eröffnung, Jose Carreras singt. Vor der Oper eskaliert die Lage: 1200 Demonstranten liefern etwa 2000 Exekutivbeamten der Bundespolizeidirektion Wien einen erbitterten Kampf. Die Aktivisten werfen Molotowcocktails, Flaschen, Steine und Farbbeutel gegen die Sicherheitskräfte. Am Höhepunkt des Gewaltausbruches nehmen die Aktivisten einem Besucher des Balles seinen Mercedes ab und verwenden das Fahrzeug als Rammbock gegen die Straßensperren.

1991 - Der Opernball wird zum einzigen Mal in der Zweiten Republik abgesagt. Grund ist der Golfkrieg.

1992 - Ein umtriebiger Baumeister namens Richard Lugner fasst den folgenschweren Entschluss, einen prominenten Gast mit auf den Opernball zu nehmen. Zur Premiere wird er von einem "sehr problemlosen" Harry Belafonte begleitet, damals fast ohne die heute enorme mediale Aufmerksamkeit. Auch Pressekonferenzen und Autogrammstunden gibt es in diesen unschuldigen Tagen noch nicht.

1993 - Mit Joan Collins wird bei "Mörtel" alles anders. Von der US-Schauspielerin wird der Baumeister auch erstmals mit den Macken und Sonderwünschen internationaler Prominenz konfrontiert. "Sie war sehr professionell - und eiskalt", erinnert sich Lugner.

1995 - Richard Lugner bringt mit Sophia Loren seinen absoluten Lieblingsgast, eine "echte Dame", zu dem Fest. Erhaben winkt sie von der Brüstung der Lugner City dem Volk zu, gnädig signiert sie Autogramme - und Probleme macht sie auch nicht. Bleibenden Eindruck hinterlässt ihr "riesiges Dekolleté" (Lugner). Nur als ihr in der Loge des Bundespräsidenten jemand auf das Kleid tritt - und der Inhalt desselben in seiner ganzen Pracht fast herausspringt - sei sie grantig gewesen.

1996 - Skandal in "Mörtels" Loge. Seine diesjährige Begleiterin, die US-Sängerin Grace Jones, frönt dort mit ihrem Begleiter der Fleischeslust. "Das war akustisch klar wahrnehmbar", erinnert sich der Society-Löwe im Nachhinein.

1997 - Mit Sarah "Förtschi" Ferguson, der Herzogin von York, kämpft der Society-Löwe mit der Etikette. Als geschiedenes Mitglied des englischen Königshauses steht ihr eine offizielle Begrüßung durch Österreichs Regierung gar nicht zu - darauf will die Dame jedoch nicht verzichten. Man posiert die widerspenstige Adlige für das Ballfoto schlussendlich derart trickreich, dass sie halbwegs ehrenvoll davonkommt.

2000 - Aufgrund der blau-schwarzen Regierung kommt es zu zahlreichen Absagen. So auch bei "Mörtel": Claudia Cardinale will plötzlich ebenso wenig an der Seite Lugners die Veranstaltung besuchen wie Catherine Deneuve. "Ich hatte zeitweise Angst, ganz ohne Gast dazustehen", sagt Lugner. Zu guter Letzt hat der Baumeister aber dann gleich zwei Gäste, Jacqueline Bisset und Skandalnudel Nadja Abdel Farrag. Fast schon in den Hintergrund des medialen Interesses gerät die Tatsache, dass Elisabeth Gürtler im selben Jahr die Ballorganisation übernimmt.

2003 - Die "Zauberflöte für Kinder" wird erstmals nach dem Opernball in der Balldekoration aufgeführt. Richard Lugner bringt Baywatch-Nixe Pamela Anderson mit, die wiederum mit ihrem Skandal-Verlobten Kid Rock erscheint. Obwohl sich das Paar zahm gibt, setzt es Rüffel von Organisatorin Elisabeth Gürtler: In einem Telefonat mit Richard Lugner beschwerte sie sich darüber, dass der Baumeister mit seinen Gästen das Niveau der Veranstaltung "in Tiefen führt, die nicht mehr tolerierbar sind".

2004 - Andie MacDowell sorgt erwartungsgemäß für keinerlei Ausrutscher am gesellschaftlichen Parkett. Schon 2005 wird Lugner aber (wieder) bitter enttäuscht: Stargast Geri Halliwell zeigt keinerlei Engagement, irgendetwas zu erfüllen, was nicht vertraglich extra ausverhandelt wurde.

2005 - Der damalige Staatsoperndirektor Ioan Holender erklärt den Opernball zur "rauchfreien Zone".

2006 - Lugner bringt Carmen Electra zum Opernball, die Ballspende erweist sich nur im Vorfeld als problematisch. In den USA sei man nämlich davon überzeugt gewesen, "Mörtel" habe Electra nur eingeladen, um ein sexuelles Abenteuer mit ihr zu haben.

2007 - Lugner erreicht die bis dato höchste Medienpräsenz, und alles nur wegen Gast Paris Hilton. Für ihn kommt Platz eins nicht überraschend. "Hilton war damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere", kommentiert der Baumeister gegenüber der APA.

Einen Skandal liefert Ruby Rubacuori, die Zweitplatzierte im Ranking, allein durch ihr Erscheinen beim Opernball. Die damals 18-jährige Marokkanerin verdankt ihren Bekanntheitsgrad einzig und allein einer Sexaffäre (Stichwort: "Bunga Bunga") unter Beteiligung des damaligen italienischen Premierministers Silvio Berlusconi.

2008 - Desiree Treichl-Stürgkh übernimmt die Opernball-Organisation. Die Besucher des Balls schreiten zum ersten Mal über einen "Red Carpet" ins Haus am Ring. Die legendären Schlachten der Fotografen auf der Feststiege finden ihr Ende.

2010 - Der letzte Ball unter Hausherr Holender, den stets eine leidenschaftliche Hassliebe mit dem Society-Event verband. Er verabschiedet sich mit der Gesangseinlage "Zum Abschluss möchte ich gerne mit Ihnen zusammen ein Glas trinken". Und entzückt damit den diesjährigen Lugner-Gast Dieter Bohlen: "Also wenn das live war, ist er ein Genie. Jeder Ton hat gepasst."

2011 - Der erste Ball unter dem neuen Chef Dominique Meyer. Ab nun steht der Abend ganz im Zeichen der Künstler des Hauses. Erstmals spielt das Wiener Staatsopernorchester/die Wiener Philharmoniker zur Eröffnung.

2014 - Skandal! Vor der Loge von Richard Lugner kommt es zu wilden Szenen. Ein sichtlich betrunkener Ballgast pöbelt den deutschen TV-Moderator Johannes B. Kerner so lange an, bis dessen Begleiter ihm einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht versetzt. Lugner selbst hat derweil seine liebe Not mit Stargast Kim Kardashian.

2016 - Treichl-Stürgkh verkündet bei der Pressekonferenz im Vorfeld nach neun Jahren ihren Rückzug. Richard Lugner hat als Begleitung für den Ball der Bälle indes Brooke Shields erwählt - "Spatzi" ist natürlich auch dabei.

2017 - Lugner wird heuer von Ballspende Goldie Hawn begleitet. Die 71-Jährige gibt sich (noch) erstaunlich unkompliziert, nascht Sachertorte und isst Schnitzel, strahlt in die Kameras.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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