Di, 24. April 2018

Hart aber herzlich

24.10.2006 16:03

Neues Energiebündel von den Deftones

Viel hätte nicht gefehlt und die Deftones wären vielleicht auseinandergebrochen. Doch Chino und seine Mannen haben sich zusammengerauft und präsentieren jetzt - drei Jahre nach dem letzten regulären Studioalbum - ihr neues Energiebündel: Saturday Night Wrist.

Gravierend viel hat sich bei den Deftones nicht getan. Dennoch gibt es ein paar deutlich hörbare Änderungen, die vor allem auf den Wechsel des Produzenten zurückzuführen sein dürften: Während bislang Terry Date den Deftones ihren unverwechselbaren Musik-Stempel aufdrückte, saß diesmal Bob Ezrin hinter den Reglern. Das musikalische Urgestein werkelte bereits am Sound von Lou Reed, Peter Gabriel oder Pink Floyd.

Vor allem das Pink-Floyd-Element scheint ein wesentlicher Bestandteil der neuen Deftones-Scheibe zu sein. So gibt man sich auf den insgesamt zwölf Songs wesentlich melodischer als bisher und überzeugt und verzückt durch wunderschöne Harmoniefolgen. Über das mitunter fast schon meditative Gitarren-Geschrammel legt sich fast immer die weinerlich klagende Stimme Chino Morenos. Einzige Ausnahme: Die Instrumental-Nummer "U,U,D,D,L,R,L,R,R,A,B,Select,Start".

Doch Deftones-Fans können beruhigt aufatmen: Es gibt sie noch, diese Momente, in denen Chino Rumpelstilzchen spielt und sich die Seele aus dem Leib schreit - beispielsweise auf "Rapture" oder "Rats!Rats!Rats!". Hier klingen die Deftones fast schon nach den alten "Adrenaline"-Tagen. Darüber hinaus nennenswert sind die Songs "Mein", auf dem "System of a Down"-Sänger Serj die Hook liefert, und "Pink Cellphone", auf dem die Deftones abermals ihre Trip-Hop-Ader ausleben.

"Saturday Night Wrist" vereint die ungebündelte, rohe Energie der älteren Deftones-Scheiben mit den melodiösen Elementen einer "White Pony" - und klingt dennoch oftmals neu und erfrischend anders. Die sanftere Seite dürfte Hardcore-Fans sauer aufstoßen, das Reinhören lohnt sich aber dennoch: Persönlich das bis dato beste Deftones-Album, welches sicher noch lange Zeit im CD-Player rotieren wird.

Fazit: 9 von 10 sanfteren Deftones

von Sebastian Räuchle

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