Mi, 13. Dezember 2017

7 Schwerverletzte

15.02.2017 18:27

Massenschlägerei vor Jugendtreff: 8 Schuldsprüche

Im Prozess um eine Massenschlägerei vor einem Jugendzentrum in Wien-Brigittenau zwischen afghanischen und tschetschenischen Jugendlichen sind am Mittwochabend die Urteile gefallen. Acht gebürtige Afghanen im Alter zwischen 16 und 22 Jahren wurden wegen schwerer gemeinschaftlicher Gewalt schuldig erkannt, drei Angeklagte freigesprochen. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Sieben Angeklagte wurden zu Freiheitsstrafen zwischen drei und sechs Monaten verurteilt, die ihnen zur Gänze bedingt nachgesehen wurden. Ein Angeklagter erhielt unter Bedachtnahme auf eine Vorverurteilung insgesamt sechs Monate unbedingt, die er unter Einrechnung der U-Haft aber bereits zur Gänze verbüßt hat.

Sieben junge Tschetschenen schwer verletzt
Die acht Burschen trafen am 5. März 2016 vor dem Jugendtreff "Base 20" in der Engerthstraße auf eine Gruppe von 30 Afghanen, die sich dort versammelt hatte. Die Afghanen gingen mit Messern, Holzprügeln, Eisenstangen, Schraubenziehern, Ketten und Schlagringen auf die tschetschenischen Jugendlichen los. Sieben von ihnen - sie konnten sich nur mit ihren Fäusten und Füßen wehren - blieben teilweise schwer verletzt liegen. Dass alle überlebten, grenzt beinahe an ein Wunder, wenn man sich die Befunde des Gerichtsmediziners vergegenwärtigt.

Stichverletzungen erlitten
Ein 18-jähriger Tschetschene kassierte demnach Stiche in den Brustkorb, in den Bauch und in die Leiste. Er überlebte dank einer im UKH Meidling durchgeführten Notoperation. Einem 15-Jährigen wurde ebenfalls in die Brust gestochen, einem 17-Jährigen ins Gesäß, wobei der Stichkanal bis zur Beckenschaufel führte und Schlagaderäste verletzte. Ein weiterer Jugendlicher bekam einen Stich in den Rücken ab, der knapp die Wirbelsäule verfehlte, und zusätzlich einen ins Gesäß.

Erst Prügel am Handelskai, dann Showdown vor Jugendtreff
Auslöser der Schlägerei war der Facebook-Eintrag eines 16-jährigen Afghanen, der am Vortag einen Tschetschenen beschimpft und beleidigt hatte. Am nächsten Abend trafen sich die zwei Kontrahenten mit Verstärkung zunächst in der Nähe der U6-Station Handelskai, wo es zu ersten tumultartigen Auseinandersetzungen kam. Ein paar Stunden später folgte vor dem Jugendzentrum dann der Showdown. Die von Betreuern der Einrichtung und Anrainern alarmierte Polizei nahm in der Nähe des Tatorts sechs Verdächtige fest. Im Zuge der Ermittlungen konnten fünf weitere Burschen ausgeforscht werden.

Drei Angeklagte wurden neben schwerer gemeinschaftlicher Gewalt auch wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung angeklagt. Die Beweislast gegen sie reichte aber vor Gericht nicht aus - aus Mangel an Beweisen. "Ihnen konnten keine konkreten Einzeltaten zugeordnet werden", stellte der Vorsitzende in der Urteilsbegründung fest. Die Staatsanwältin gab zu sämtlichen Entscheidungen vorerst keine Erklärung ab.

 krone.at
Redaktion
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