Mi, 22. November 2017

Brachiales Gemetzel

15.02.2017 13:59

„For Honor“: Da bleibt kaum ein Kopf auf dem Rumpf

Wenn in "For Honor" Ritter gegen Samurai gegen Wikinger kämpfen, bleibt kaum ein Kopf auf dem Rumpf. Das brachiale Aufeinandertreffen der Kulturen in Ubisofts Nahkampf-Gemetzel mag historisch zwar nicht ganz korrekt sein, die Action jedoch stimmt. Ein (bild)gewaltiges Vergnügen.

Drei Fraktionen - Ritter, Wikinger und Samurai - kämpfen in "For Honor" um Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld. Jede einzelne von ihnen verfügt über vier verschiedene Helden, die sich hinsichtlich ihres Kampfstiles, vor allem jedoch ihres Tempos voneinander unterscheiden: von relativ harmlos, aber schnell bis behäbig, aber umso sehr gefährlicher.

Proben für den Ernstfall
Gekämpft wird vorrangig online im Mehrspieler-Modus, dennoch kann es lohnen, zuvor einen Blick auf die - leider recht kurze - Kampagne zu werfen. Sie verrät zum einen mehr über die Hintergründe des ewig währenden Gemetzels zwischen den Fraktionen, zum anderen lässt sie Gamer durch abwechslungsreiche Perspektivenwechsel in der Erzählung die diversen Kämpferklassen erproben.

Viel wichtiger aber ist: In der Kampagne lassen sich bereits die ersten Sporen für den Online-Kampf verdienen. Denn abhängig vom gewählten Schwierigkeitsgrad, winken mehr oder weniger Erfahrung, aktive und passive Fertigkeiten (die sogenannten Gaben) sowie andere Extras wie etwa neue Banner oder Designs, mit denen sich der eigene Recke bis ins kleinste Detail individualisieren lässt.

Timing ist alles
Da jede Einzelspieler-Mission - auf Wunsch auch kooperativ mit einem zweiten Spieler - beliebig oft wiederholt werden darf, können die diversen Kampfstile demnach hinreichend erprobt werden, bevor es ins große Getümmel geht. Das ist insofern ratsam, weil "For Honor" auf ein zwar einsteigerfreundliches, aber schwer zu meisterndes Kampfsystem setzt, bei dem vor allem das richtige Timing über den Erfolg entscheidet.

Dreh und Angelpunkt des Ganzen: Leichte und schwere Schläge können aus drei verschiedenen Richtungen erfolgen und entsprechend blockiert oder besser noch pariert werden. Alternativ rettet ein Sprung zur Seite. Darüber hinaus stehen neben den bereits erwähnten, kurzzeitig verwendbaren Gaben (z.B. mehr Schaden, Heilung, Team-Boni) einfachere Kombo-Angriffe, Tritte oder Würfe zur Verfügung, um etwa Gegnern mit Schilden beizukommen. Die Krux: Jeder Schlag frisst Ausdauer, und ist der Held erst einmal erschöpft und dementsprechend langsamer, gibt er in der Schlacht ein leichtes Ziel ab.

Krieg der Fraktionen
Bedachtes, strategisches Vorgehen zahlt sich also aus - und zwar im doppelten Sinne. Denn jeder Online-Kampf hat Auswirkungen auf den sogenannten Fraktionskrieg, eine Art plattformübergreifendes "Risiko", bei dem alle Spieler um Landgewinn für ihre jeweilige Fraktion kämpfen. Erspielte "Kriegsressourcen" können dabei entscheidenden Einfluss auf den Frontverlauf nehmen. Am Ende der zehn Wochen dauernden Saison erhalten alle "For Honor"-Spieler entsprechend ihres Ranges in ihrer Fraktion spielinterne Belohnungen. Der Fraktionskrieg wird zurückgesetzt, bevor er nach einer kurzen Pause erneut startet.

Mann gegen Mann, Team gegen Team
Wie man sich für seine Fraktion verdient macht und einbringt, bleibt jedem selbst überlassen. Zur Auswahl stehen fünf verschiedene Modi, die mangels echter Gegner notfalls auch gegen Bots absolviert werden können. Gekämpft wird dabei wahlweise Recke gegen Recke ("Duell") oder in Teams von vier bzw. zwei Kämpfern, etwa um Spielzonen oder schlichtweg das nackte Überleben.

Das alles kann sich optisch durchaus sehen lassen: Landschaften, Burgen, Kämpfer und ihre Animationen punkten durch Detailverliebtheit. Das Schlachtengetümmel wirkt stimmungsvoll und authentisch, nicht zuletzt dank reichlich Geschrei, lodernder Flammen und anderer Effekte. Nur ganz selten, bei all zu viel Action auf dem Schlachtfeld, kommt es zu Einbrüchen in der Framerate.

Fazit: Spiele müssen nicht immer anspruchsvoll - im Sinne von tiefgreifend - sein. Es reicht schon, wenn sie Spaß machen. "For Honor" ist so ein Spiel: Inhaltlich geradeaus und direkt, aber in Sachen Gameplay fordernd, abwechslungsreich und actiongeladen. Das gilt vor allem für den Multiplayer-Part samt plattformübergreifenden "Fraktionskrieg", zu dem jeder seinen Teil beitragen kann. Angesichts der Tatsache, dass Multiplayer-Modi bei Bedarf auch alleine gegen Bots bestritten werden können, lässt sich denn auch verkraften, dass die Kampagne für Einzelspieler vergleichsweise kurz geraten ist.

Plattform: Xbox One (getestet), PS4, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

Sebastian Räuchle
Redakteur
Sebastian Räuchle
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