Di, 21. November 2017

Biathlon-WM

14.02.2017 20:38

„Ich habe keine faire Chance bekommen!“

Aufregung in der Biathlonschmiede: Ist dem ÖSV die Gruppenzugehörigkeit wichtiger als die sportliche Leistung?

In Julia Schwaiger brodelt es. Die Salzburgerin hatte bis zuletzt auf einen Einsatz bei der Biathlon-Heim-WM in Hochfilzen gehofft. Vergeblich. Die 21-Jährige wurde auch für den Einzelbewerb am Mittwoch nicht berücksichtigt. Der Österreichische Skiverband (ÖSV) nominierte Lisa Hauser, Dunja Zdouc, Christina Rieder und Fabienne Hartweger. "Ich bin sauer", erklärte Schwaiger gegenüber krone.at. "Ich habe keine faire Chance bekommen!" Vorgestern wurde der HSV-Saalfelden-Athletin mitgeteilt, dass sie erneut mit der Zuschauerrolle vorlieb nehmen muss, andere ihr vorgezogen werden. "Das war eine Watschn für mich", war es ein Schock für die sechsfache Junioren-WM-Medaillengewinnerin (einmal Gold, zweimal Silber, dreimal Bronze).

Gruppenzugehörigkeit wichtiger als Leistung?

"Aus sportlicher Sicht ist das nicht nachvollziehbar", stellte sich Trainerin Sandra Flunger hinter ihren Schützling. Und bekam Unterstützung von Alfred Eder, der noch deutlicher wurde: "Scheinbar entscheidet die Gruppenzugehörigkeit über die Aufstellung!"

Was er meinte: Nach der letzten Saison spaltete sich eine Gruppe, der Simon Eder, Lisa Hauser, Dunja Zdouc und eben Schwaiger angehören, vom ÖSV ab. Das Quintett gründete die "Biathlonschmiede" und wird von Flunger und Eder senior trainiert. Dem ÖSV war die Gruppenteilung von Beginn an ein Dorn im Auge, die Mitglieder der "Abtrünningen" mussten daraufhin - mit Ausnahme von Eder - Trainingskurse aus eigener Tasche bezahlen. Dieser Disput soll nun der Grund sein, warum Schwaiger nicht berücksichtigt wurde. Zumal es bereits der zweite Vorfall bei der Heim-WM ist, der der Biathlonschmiede sauer aufstößt. Bereits vor der Mixed-Staffel gab es eine Nominierungsdiskussion, wurde Fabienne Hartweger anstelle von Dunja Zdouc ins Rennen geschickt. "Völlig unverständlich, Dunja war in sieben von neun direkten Vergleichen besser", war Flunger erbost. Nun der nächste Aufreger. "Man hätte die Chance gehabt, die Athletinnen direkt zu vergleichen", beklagt sie, dass der ÖSV keine Quali angesetzt hatte.

Schwaiger mit starken Resultaten

Dabei ließ Schwaiger, die vor Jahresfrist einen starken Eindruck hinterließ, keine Wettkampfmöglichkeit ungenützt, um nach ihrer Krankheit im Januar die Trainer von sich zu überzeugen. Beim IBU-Cup in Osbrlie (Slowakei) zeigte sie bei ihrem Comeback mit den Rängen elf und zwölf auf. Ihre unmittelbaren Konkurrentinnen waren da allerdings nicht am Start. Auch nicht vergangenes Wochenende, als die Juniorin im Rahmen des Deutschlandpokals einen stark besetzten Massenstart für sich entschied. Die ÖSV-Verantwortlichen zeigten sich davon wenig beeindruckt. Während die Nominierung von Topschützin Rieder im schießlastigen 15-Kilometer-Bewerb nachvollziehbar ist, gibt jene von Hartweger Rätsel auf. Die Steirerin musste in der Mixed-Staffel in die Strafrunde und verpasste als Sprint-83. deutlich die Qualifikation für den Verfolger in Hochfilzen. Auch beim letzten Weltcup-Einzel in Antholz Ende Januar blieb sie mit elf Strafminuten und Rang 97 weit hinter den Erwartungen. Schwaiger ist deutlich stärker am Schießstand, hätte sich mit einem guten Ergebnis sogar für die WM-Staffel empfehlen können. "Ich habe schon oft genug gezeigt, dass ich in den wichtigsten Rennen meine Leistung bringe", hätte sie sich absolut zugetraut, Österreich in der Staffel zu vertreten. Wo mit Hauser und Zdouc, die zuletzt klar zweitstärkste Österreicherin war, bereits zwei Damen aus der Biathlonschmiede gesetzt zu sein scheinen …

"Es ist emotional nicht leicht für mich", gestand Schwaiger aufgewühlt. "Ich hatte immer die Hoffnung, dass auch ich eine Chance bekomme und dachte, Leistung würde zählen." Nun aber bleibt sie die einzige Österreicherin ohne WM-Einsatz. Und muss mit der Junioren-WM in Osbrlie Ende Februar vorlieb nehmen. Ein schwacher Trost für die 21-Jährige. "Die Heim-WM war immer mein großes Ziel, das habe ich auch immer klargestellt." Nichtsdestotrotz will sie in ihrem letzten Junioren-Jahr auch in der Slowakei Spitzenleistungen abliefern. "Ich werde mich ab sofort darauf vorbereiten", liegt ihr Fokus nun darauf. Keine leichte Aufgabe, denn: "Das hat jetzt viel Energie gekostet, geht sicher nicht spurlos an mir vorbei." Positiv stimmt Schwaiger, dass ihre Form wieder richtig gut ist und das Gefühl passt. "Ich werde voll angreifen und will es allen zeigen."

Christoph Nister, Kronen Zeitung

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