Mi, 22. November 2017

Mord beauftragt?

14.02.2017 20:03

Lebenslustiger Halbbruder war Kim ein Dorn im Auge

Es klingt wie eine dieser Agentengeschichten aus früheren Zeiten: Auf dem Flughafen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur macht sich ein Mann gerade auf den Weg zum Check-in nach Macau, einer Hochburg des internationalen Glücksspiels. Plötzlich nähern sich ihm zwei Frauen, rammen ihm "Giftnadeln" in den fülligen Körper und fliehen mit einem Taxi. Kim Jong Nam, älterer Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un, stirbt auf dem Weg ins Spital. Wer war der Mann, der früher der "kleine General" genannt wurde und später als lebenslustiger Playboy galt?

Ob sich das alles am Montag wirklich so zugetragen hat, wie es der südkoreanische Sender TV Chosun und andere südkoreanische Medien berichten, weiß man nicht. Aus Südkorea gab es in der Vergangenheit mehrfach Berichte über vermeintliche Racheakte gegen Gegner des stalinistischen Regimes in Pjöngjang, die sich später als falsch herausstellten. Doch einiges deutet daraufhin, dass Kim Jong Nam tatsächlich Opfer eines Mordanschlags durch nordkoreanische Agentinnen wurde.

Malaysische Behörden halten sich weiter bedeckt
Nach Stunden wilder Spekulationen erklärte die malaysische Polizei am Dienstag lediglich: Kim Jong Nam ist tot. Der 45-Jährige sei am Montag vor einem Flug in die chinesische Sonderverwaltungszone Macau im Shopping-Bereich des Flughafens in Kuala Lumpur zusammengebrochen und habe über Unwohlsein geklagt. Auf dem Weg ins Krankenhaus der nahe gelegenen Stadt Putrajaya sei er dann gestorben. Zur Todesursache gab es offiziell zunächst keine Angaben, der Leichnam sei zur Obduktion gebracht worden, hieß es.

Galt als potenzieller Nachfolger von Kim Jong Il
Kim Jong Nam - geboren am 10. Mai 1971 - war der älteste Sohn des früheren nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il und einer von drei Söhnen, die der Diktator mit unterschiedlichen Frauen hatte. Die Mutter war Schauspielerin, die Eltern waren nicht verheiratet. Als Erstgeborener galt er in der einzigen kommunistischen Dynastie der Welt trotzdem eine Zeit lang als potenzieller Nachfolger und wurde der "kleine General" genannt.

Vergnügungssüchtiger Playboy fiel in Ungnade
Doch noch als Kim Jong Il, der "geliebte Führer", lebte, fiel Kim Jong Nam in Ungnade. Vergnügungssüchtig, Playboy, Sohn von Beruf - das waren Attribute, die man mit ihm verband. Ausschlaggebender Grund soll letztlich eine Verhaftung 2001 am Flughafen von Tokio gewesen sein. Kim Jong Nam hatte damals angeblich einen gefälschten Pass der Volksrepublik China dabei, mit dem wenig schmeichelhaften Namen Pang Xiong darin - auf Deutsch: fetter Bär. Ziel der Reise soll die japanische Variante von Disneyland gewesen sein.

In Peking, Macau, Singapur und Malaysia unterwegs
Bis zum Tod des Vaters im Dezember 2011 flog er aber weiter recht frei um die Welt. Die letzten 15 Jahre soll Kim Jong Nam überwiegend in Peking und Macau verbracht haben, immer wieder wurde er auch in Singapur und Malaysia gesichtet. Nach der Machtübernahme des jüngeren Halbbruders verschwand er schnell von der Bildfläche, im Machtgefüge Nordkoreas spielte er keine Rolle mehr.

Nordkoreas Regime "ein Witz für die Welt außerhalb"
Kurz bevor sein Halbbruder an die Macht kam, hatte er 2010 in Macau dem japanischen Sender Asahi TV gesagt: "Ich persönlich bin gegen Nachfolge in der dritten Generation." Später zitierte ihn der japanische Journalist Yoji Gomi in einem Buch zudem mit den Worten, das Regime seines Halbbruders sei "ein Witz für die Welt außerhalb", ohne Reformen werde es zugrunde gehen. Möglich, dass ihm Kim Jong Un solche Sätze nie verzieh.

Nicht der erste gewaltsame Tod in der Kim-Familie
Falls sich die nunmehrigen Spekulationen über einen Mordanschlag auf Order aus Pjöngjang als wahr erweisen, wäre dies ein weiterer gewaltsamer Tod in der Familie. Im Dezember 2013 etwa hatte Kim Jong Un seinen Onkel und engen Berater Jang Song Thaek, dem Kim Jong Nam sehr nahegestanden sein soll, hinrichten lassen. Seither soll die Sorge bei Kim Jong Nam groß gewesen sein - immer wieder gab es Gerüchte, dass ihn sein Halbbruder loswerden wollte.

Nordkoreanischer Killer seinerzeit mit "Gift-Kuli" gefasst
Pjöngjang ist für seinen äußerst brutalen Umgang mit Kritikern bekannt. 2012 war in Südkorea ein ehemaliges Mitglied von Nordkoreas Spezialkräften für schuldig befunden worden, einen Mordanschlag auf den nordkoreanischen Regimegegner Park Sang Hak geplant zu haben. Der potenzielle Killer hatte bei seiner Verhaftung unter anderem eine Füllfeder dabei, mit dem man ein Projektil abfeuern konnte - und einen Kugelschreiber, dessen Mine mit Gift präpariert war.

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