Fr, 15. Dezember 2017

"Medikamente Schuld"

14.02.2017 16:33

Nach Doppelmord in NÖ: Oberärztin im Visier

Es war der Abend, an dem Milan A. serbische Kost genoss und plauderte, es war aber auch der Abend, an dem der 36-Jährige die halbe Familie mit einem Küchenmesser auslöschte. Erstmals erzählt er, warum: weil er in seinem Psycho-Wahn Männer in weißen Kitteln am Fenster vorbeistreifen sah und glaubte, Mutter, Vater, Frau seien nur zusammengekommen, um ihn zu vernichten ...

Und schon ist im Fall der unfassbaren Bluttat von Deutsch-Wagram die Rede von "Unzurechnungsfähigkeit", "nicht schuldfähig", einer Krankheit, die falsch behandelt worden sein soll. Milan A. saß vier Jahre lang als geistig abnormer Rechtsbrecher in der berüchtigten Justizanstalt Göllersdorf. 2014 durfte er sie verlassen, doch die Nebenwirkungen seiner Psychopharmaka sollen ihn zu sehr "beeinträchtigt" haben.

"Sie hat ihn auf andere Medikamente umgestellt"
Zumindest erzählt das der 36-jährige mutmaßliche Doppelmörder seinem Anwalt Manfred Arbacher-Stöger. Dieser hat jetzt die behandelnde Oberärztin eines Forensischen Zentrums in Wien ins Visier genommen: "Sie hat ihn auf andere Medikamente umgestellt, gesagt, er soll in vier Wochen wieder zur Kontrolle kommen. Hier geht es um einen Menschen mit Schizophrenie. Hier kann man nicht sagen, probier schnell mal diese neuen Tabletten aus." Der Jurist lässt prüfen, ob es sich im Fall der Oberärztin um Fahrlässigkeit gehandelt haben könnte.

"Aus Notwehr" getötet
Der Familienvater lebt in seiner eigenen Welt weiter. Er wirkt gefasst, weiß, dass er seine Eltern mit zig Messerstichen niedergemetzelt hat. "Aus Notwehr", weil sie ihn angeblich töten wollten. Oft unterbricht er Gespräche über die Tat, will wissen, was sich in Wien tut. "Viele Verbrechen", meint sein Anwalt. Dann sagt Milan A.: "Jaja, diese Ausländer ..."

Sandra Ramsauer, Kronen Zeitung

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