Di, 16. Jänner 2018

"Paris-Syndrom"

23.10.2006 12:19

Kulturschock für Touristen aus Japan

Für Millionen Touristen aus aller Welt ist ein Besuch in der französischen Hauptstadt Paris ein Lebenstraum. Für einige wenige Besucher aus Japan wird der Aufenthalt in der Stadt der Liebe aber zur Katastrophe. Ein als "Paris-Syndrom" bezeichneter Kulturschock bringt pro Jahr rund ein Dutzend Japaner ins Krankenhaus. Sie kommen mit dem harten Alltag in der Seine-Metropole nicht zurecht und brauchen psychologische Hilfe.

Die Anzeichen für das „Paris-Syndrom“ sind Verfolgungswahn und Selbstmordgedanken, berichtet die Zeitung „Journal du Dimance“. Als Grund wird der Unterschied zwischen Vorstellung und Realität in Paris vermutet. „Einem Drittel der Patienten geht es bald wieder besser, ein Drittel erleidet Rückfälle und der Rest hat Psychosen“, zitiert das Blatt  den Psychiater Yousef Mahmoudia, der in einem Spital nahe der Notre Dame arbeitet, und mehrfach mit Paris-geschädigten Patienten zu tun hatte.

In manchen Fällen muss eine sofortige Rückkehr nach Japan veranlasst werden. Bei der japanischen Botschaft in Paris wurden alleine heuer vier gravierende Fälle registriert, darunter auch zwei Frauen, die glaubten dass ihre Hotelzimmer abgehört werden und eine Verschwörung gegen sie im Gang sei.

Bernard Delage, Mitarbeiter eines Vereines, der japanischen Familien in Frankreich hilft, erklärt den Kulturschock so: „In japanischen Geschäften sind die Kunden König, während man von den Verkäufern hierzulande kaum beachtet wird. Die Menschen in den öffentlichen Verkehrsmitteln schauen ernst, und Handtaschen-Diebe tun ihr Übriges dazu, dass man sich nicht sicher fühlt.“

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