Do, 19. Oktober 2017

Konzern in Gefahr

14.02.2017 08:36

Milliardenverluste bei Toshiba: Präsident geht

Der angeschlagene japanische Elektronikkonzern Toshiba muss wegen desaströser Geschäfte in den USA einen Milliardenverlust verbuchen. Verwaltungsratspräsident Shigenori Shiga erklärte daraufhin seinen Rücktritt - ein in Japan bei Firmenskandalen üblicher Vorgang. Shiga soll aber im Unternehmen bleiben.

Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2016/2017 sei mit einem Minus von 390 Milliarden Yen (3,2 Milliarden Euro) zu rechnen, erklärte Toshiba am Dienstag zum Ende eines chaotischen Tags voller Gerüchte und Börsenturbulenzen. Der Grund für die tiefroten Zahlen sind Abschreibungen auf das US-Geschäft in Höhe von 712,5 Milliarden Yen, wie Toshiba weiter mitteilte. Dabei geht es um den Kauf des US-Atomkraftwerkbauers CB&I Stone & Webster durch Toshibas US-Tochter Westinghouse. Westinghouse soll die Firma falsch bewertet haben.

Toshiba hatte die Probleme kurz vor dem Jahreswechsel publik gemacht und vor Milliarden-Abschreibungen gewarnt. Zur genauen Höhe äußerte sich das Unternehmen in den folgenden Wochen aber nicht. Am Dienstag verschreckte der Konzern die Anleger zunächst mit der Ankündigung, die für den gleichen Tag geplante Präsentation des aktuellen Geschäftsberichts zu verschieben. Die Behörden seien um einen Monat Aufschub gebeten worden. Grund für die Verzögerung sei, dass die Arbeit der Toshiba-Anwälte und der externen Wirtschaftsprüfer noch andauere.

Toshiba sieht eigenen Fortbestand in Gefahr
Später veröffentlichte das Unternehmen dann überraschend die "Schätzungen" zur Abschreibung und zum Jahresverlust. Stunden zuvor hatte außerdem ein Bericht der Wirtschaftszeitung "Nikkei" für Aufregung gesorgt, wonach Toshiba die Anleger warnen werde, dass sein Überleben in Gefahr sei. Die Aktie verlor zwischenzeitlich fast zehn Prozent an Wert. Am Ende schloss sie acht Prozent im Minus. Das Papier hat seit der Bekanntgabe der Probleme in den USA Ende Dezember fast die Hälfte seines Wertes verloren.

Zugleich kündigte der Konzern an, seine Strategie insbesondere im Hinblick auf Geschäfte mit Atomkraft im Ausland zu überprüfen. Außerdem werde erwogen, die Chip-Sparte teilweise zu verkaufen. Ende Jänner hatte Toshiba die Auslagerung der Speicherchipherstellung in ein eigenständiges Unternehmen angekündigt.

Neben der Milliardenabschreibung in den USA leidet Toshiba weiterhin unter den Folgen des Bilanzskandals, der im Sommer 2015 bekannt geworden war. Von 2008 und 2014 waren die Bilanzen um umgerechnet rund 1,13 Milliarden Euro geschönt worden. Inzwischen wurde ein großangelegter Konzernumbau eingeleitet; unter anderem trennte sich Toshiba von mehreren lukrativen Geschäftsbereichen.

 krone.at
Redaktion
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