Sa, 25. November 2017

Familie attackiert

13.02.2017 16:50

Die „kranke Welt“ des 36-jährigen Messermörders

Stämmig, ein mürrischer Blick in die Kamera, schwarzes Shirt, schwarze Kappe: Milan A. kommt kein Lächeln über die Lippen beim letzten, bildlich festgehaltenen Familienessen mit seinem Vater Cvetin. Das nächste überlebten der Autohändler (55) und die Stiefmutter nicht. Die Opfer wollten offenbar, dass der Ex-Häftling seine Medikamente wieder nimmt und sich untersuchen lässt.

Geistig abnorm, Abartigkeit höheren Grades, wurde Milan A. attestiert. Vier Jahre lang saß der 36-Jährige wegen gefährlicher Drohung in der Justizanstalt Göllersdorf hinter Gittern. Irgendwann war der gebürtige Serbe "resozialisiert" und durfte zu seiner Familie nach Deutsch-Wagram in Niederösterreich zurück.

Samstagabend, Familienessen im Haus in der Hauptstraße 15 - alles war augenscheinlich normal, als um 22.15 Uhr die Situation plötzlich eskalierte.

Wie berichtet, soll Milan A. zu einem Küchenmesser gegriffen, es zuerst seinem Vater, dann der Stiefmutter (52) und seiner Ehefrau Natasa mehrmals in die Körper gerammt haben. Zwei Menschen sind tot, die Mutter des gemeinsamen zwölfjährigen Sohnes - der nach der Bluttat vom eigenen Vater als Geisel genommen wurde - liegt nach einer Notoperation schwerst verletzt im Wiener AKH.

Mittlerweile wurde seitens der Staatsanwaltschaft Korneuburg ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit von Milan A. in Auftrag geben. Das Motiv des mutmaßlichen Doppelmörders, der seit 2014 wieder auf freiem Fuß ist: Djufa und Cvetin A. wollten ihrem Sohn, der offenbar die Psycho-Medikamente selbst abgesetzt hatte, gut zureden und ihn wieder zu einer Untersuchung überreden.

Verdächtiger schweigt
Der Verdächtige (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) gibt sich in der Haft noch eher schweigsam. Er dürfte die Bluttat aus Angst vor einer Zwangseinweisung begangen haben. Jurist Manfred Arbacher-Stöger (Kanzlei Rifaat) übernimmt die Verteidigung des 36-Jährigen: "Er streitet nichts ab. Die Medikamenten-Umstellung dürfte nicht geklappt haben."

Sandra Ramsauer, Mark Perry und Christoph Budin, Kronen Zeitung

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