Mo, 11. Dezember 2017

Brennpunkt LTE

07.02.2017 16:50

Wenn schnelles Internet auf sich warten lässt ...

Der flotte neue Mobilfunkstandard LTE als Online-Hit? Was blieb von der Breitbandmilliarde? Ein "Krone"-Test mit Experten zeigt viele Probleme auf.

Viele kennen diese Situation: Die Vorfreude auf schnelles Internet ist groß. LTE verspricht die Lösung. Mit bis zu 150 Megabit pro Sekunde wird von unterschiedlichen Mobilfunkanbietern geworben. Zu Hause angekommen, probiert man das neue Produkt erwartungsvoll aus.

Doch was folgt, ist meist eine große Enttäuschung. Das "ultraschnelle Internet" kommt in Wirklichkeit im Schneckentempo daher.

Fortschritt beim Surfen noch nicht angekommen
Im Jahr 2017 angekommen, haben wir nicht mehr viel Verständnis für langes Warten auf Homepages oder das Öffnen von Videos. Als Kunde muss man daher bei den Produktbeschreibungen äußerst genau lesen, denn das "bis zu" sagt nur etwas über die Maximalgeschwindigkeit aus. Wie es dann daheim aussieht, ist meist eine andere Sache.

"Wer aber öfters mit lahmem Internet zu kämpfen hat, obwohl im Vertrag schnelles Surfen versprochen wurde, kann dagegen ankämpfen", stellt die Konsumentenschützerin Daniela Zimmer klar (siehe Interview unten).

Dokumentation der Geschwindigkeit wichtig!
Wichtig ist dabei vor allem eine Dokumentation über die Geschwindigkeit des Internets. Das Messwerkzeug RTR-Netztest - hier finden Sie es - wird von Zimmer daher empfohlen. Mit diesem Programm kann man regelmäßig Tests durchführen.

Auch die "Krone" hat das blitzschnelle mobile LTE-Internet unter die Lupe genommen. Von den versprochenen 150 Megabit pro Sekunde war bei zwei Testmessungen aber nie die Rede.

Der erreichte Maximalwert zum Beispiel im "Krone"-Haus in Wien-Döbling war 12 Megabit pro Sekunde. In einer Altbauwohnung mitten in Alsergrund wurde das Testen zum Spießrutenlauf. Je nachdem, wo der LTE-Würfel stand, gab es mehr oder weniger Empfang. Der Höchstwert lag jedenfalls bei lächerlichen 9 Megabit.

Alpenrepublik belegt letzten Platz im Ranking
Auch im internationalen Vergleich steigt Österreich nicht gut aus, wenn es um Internet geht. Von 21 Ländern ist die Alpenrepublik bei den Investitionen Schlusslicht, und das, obwohl 2014 die sogenannte Breitbandmilliarde beschlossen wurde. Bis 2020 soll demnach jeder Haushalt in Österreich mit schnellem Internet versorgt sein.

Infrastrukturminister Jörg Leichtfried will damit die Lebensqualität der Österreicher verbessern. Mit den Investitionen will man vor allem die ländlichen Regionen stärken. Spätestens 2020 soll das alles Realität werden. Bis dahin wird aber wohl noch manches "Zeitlupen-Video" über die Bildschirme flimmern.

Im Folgenden ein Interview mit AK-Konsumentenschützerin Daniela Zimmer.

"Krone": Frau Zimmer, was kann man tun, wenn die versprochene LTE-Bandbreite zu Hause nicht erreicht wird?
Daniela Zimmer: Generell kann ein Mobilfunkanbieter keine Garantie für die Geschwindigkeit geben. Wenn die beworbene Geschwindigkeit so gut wie nie erreicht wird, kann man sich auf das Gewährleistungsrecht berufen.

Was heißt das konkret für den Kunden?
Wenn man über einen längeren Zeitraum die Geschwindigkeit dokumentiert und die beworbenen Werte ständig massiv unterschritten werden, kann man sich gegenüber dem Anbieter auf seine Gewährleistungsrechte berufen. Lässt sich die erwartbare Leistung nicht verbessern, ist auch ein Vertragsausstieg denkbar.

Wieso können Mobilfunker keine Garantie für die Geschwindigkeit von LTE geben?
Das mobile Netz ist im Gegenteil zum Festnetz nicht so stabil. Der Empfang hängt von der Entfernung des Geräts zum Sendemast ab, aber auch wie viele Nutzer gerade im Netz sind. Je mehr Leute dasselbe Netz benutzen, desto langsamer kann es werden. Nicht zu unterschätzen ist auch das dicke Mauerwerk, das einen umgibt. Stahlbetonwände zum Beispiel verlangsamen die Geschwindigkeit von LTE-Internet enorm.

Welche Tipps haben Sie für den Konsumenten vor dem Kauf von LTE-Internet?
Firmen bieten zum Teil auch unverbindliche Testmöglichkeiten an. Fragen Sie danach. Erkundigen Sie sich im Vornhinein, wie viele Megabit pro Sekunde bei Ihrem Standort möglich sind. Wenn Ihnen etwas versprochen wird, muss dieser Wert tatsächlich erreicht werden.

Kathi Pirker, Kronen Zeitung

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