Di, 17. Oktober 2017

"Extrem intelligent"

05.02.2017 06:00

Grausame Frauenmorde: Suche nach einer Bestie

Zwei Frauenmorde - ein Täter. Verhaltensanalytiker der Polizei vermuten, dass der Gesuchte seine Verbrechen von langer Hand plant und sehr gezielt vorgeht. Bei der Suche nach Tatorten - und nach seinen Opfern.

Es ist etwa 23.40 Uhr, als Lucile K. am Samstag, dem 11. Jänner 2014, ihre Wohnung im Bahnhofsviertel von Kufstein verlässt, um eine junge Türkin - wie sie eine Austauschstudentin - zu besuchen. Die 20-Jährige weiß: Wenn sie die Abkürzung über die Innpromenade nimmt, wird sie in 15 Minuten bei der Unikollegin sein.

Die junge Französin hat keine Angst, den von Laternen beleuchteten und meist auch nachts gut frequentierten Weg einzuschlagen. Um 23.52 Uhr ruft sie noch per Handy ihre Freundin an: "Ich bin gleich bei dir." Minuten später ist sie tot.

Ein Mann hat Lucile überfallen, mit einer Eisenstange auf sie eingeschlagen. Bereits der erste Hieb, stellten Gerichtsmediziner später fest, dürfte letal gewesen sein. Dennoch prügelte der Täter weiter auf sein Opfer ein; ein zweites, ein drittes, ein viertes Mal. Danach schleppte er es über eine Böschung, zum Ufer des Flusses - und versuchte, sich an ihm zu vergehen.

Auffallende Parallelen zu Fall in Deutschland
6. November 2016. Regnerisch ist es an diesem Sonntag im deutschen Endingen. Trotzdem beschließt Carolin G. - Winzerei-Angestellte, verheiratet - gegen 15 Uhr, ein wenig zu joggen. Weinberge liegen vor ihrer Haustüre, sie kennt alle Pfade. Und läuft los, wie schon so oft davor. Vier Tage gilt die 27-Jährige als vermisst, dann wird in einem Waldstück ihre schrecklich zugerichtete Leiche gefunden.

Caroline G.- sie wurde mit einer Eisenstange erschlagen und sexuell missbraucht. Wie Lucile K. Auffallende Parallelen.

"Komplizierte Laboruntersuchungen nötig"
Dass die zwei Morde tatsächlich von ein und demselben Täter begangen worden sind, steht erst seit Kurzem fest. "Es waren", so der Tiroler Kripo-Chef Walter Pupp, "komplizierte Laboruntersuchungen notwendig, um die fragmentarischen DNA-Spuren, die der Mann an den Opfern hinterlassen hatte, abzugleichen."

Ungeklärte, teilweise Jahrzehnte zurückliegende Tötungsdelikte aus ganz Europa werden nun neu überprüft. Bei der Suche nach dem Serienkiller. Österreichische und deutsche Verhaltensanalytiker haben mittlerweile ein vorläufiges Profil von ihm erstellt. Die bisherigen Erkenntnisse über seine Psyche:

  • Der Mann agiert bei seinen Verbrechen sehr planend und kontrolliert - also keinesfalls impulsiv.
  • Wahrscheinlich wählt er die Tatorte genauso sorgfältig aus wie seine Opfer. Möglich, dass er bestimmte Gegenden, die ihm für seine Delikte geeignet erscheinen, ausgiebig erkundet und die Frauen beobachtet bevor er zuschlägt.
  • Sein Beruf? Lkw-Fahrer, so der eine Tipp - wegen der von ihm verwendeten Waffen; Stangen, die zum Anheben von Fahrzeugen verwendet werden. Der Unbekannte könnte aber auch ein Handelsreisender sein. Oder in der Gastronomie arbeiten. Fakt ist schließlich: Sowohl Kufstein als auch Endlingen sind Tourismus-Gebiete.
  • Es besteht der Verdacht, dass der Mörder Trophäen sammelt. Die Mobiltelefone von Lucile K. und Carolin G. gelten als verschwunden. Hat der Täter sie als Andenken an seine Opfer behalten, sieht er sich die darauf gespeicherten Fotos von ihnen an und erlebt so immer wieder den "Kick", den er bei seinen abscheulichen Verbrechen verspürt haben muss?

Täter ist "überdurchschnittlich intelligent"
Wie diagnostiziert Österreichs bekanntester Gerichtspsychiater Reinhard Haller den Gesuchten? "Ich gehe davon aus, dass er überdurchschnittlich intelligent ist. Immerhin hat er es lange Zeit hindurch geschafft, völlig unentdeckt zu bleiben und kaum Spuren von sich an seinen Tatorten zu hinterlassen."

"Wolf im Schafspelz"
Vermutlich sei der Mann der sprichwörtliche "Wolf im Schafspelz"; ein Mensch, der nach außen hin ein unauffälliges, geregeltes Dasein führt, "vielleicht sogar von seinem Umfeld als ein treusorgender Familienvater wahrgenommen wird: Was seine Ausforschung umso schwieriger macht."

Kriminalpsychologen zufolge sollen weltweit etwa 120 Serienkiller unterwegs sein, deren Taten in keinen Zusammenhang gebracht werden -  in Europa wird ihre Zahl auf etwa ein Dutzend geschätzt.

"Lust am Töten wird wieder übermächtig sein"
Von Lucile K. und Carolin G.s Mörder liegt jetzt wenigstens die DNA vor. Wie sich der Täter nun fühlt? "Er verspürt sicherlich Furcht", sagt Haller, "schon eine Blutabnahme nach einem Autounfall könnte ihm ja zum Verhängnis werden." Aber irgendwann wird seine Lust am Töten wieder übermächtig sein, "und er wird damit beginnen, nach neuen Opfern zu suchen." Denn stoppen kann einen Serienkiller nur seine Verhaftung - oder der eigene Tod.

Martina Prewein, Kronen Zeitung

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