Mo, 20. November 2017

Offener Angriff

04.02.2017 19:16

Muslime: „Sehen wir, wer zuletzt lacht, Herr Kurz“

Erneut sind Tausende Menschen nur einen Tag nach der Akademikerball-Demo durch Wien gezogen: Ab 13.30 Uhr versammelten sich beim Wiener Museumsquartier zahlreiche Demonstranten, um unter anderem gegen das viel diskutierte Kopftuchverbot zu kämpfen. Die vom Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft (NMZ) organisierte Veranstaltung fand unter dem Motto "MuslimBanAustria - Mein Körper, mein Recht auf Selbstbestimmung" statt. Zielscheibe der Demonstranten war vor allem Integrationsminister Sebastian Kurz.

Neben dem NMZ waren auch die Dokustelle für Muslime sowie der Jugendrat der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Wien Mitorganisatoren der Veranstaltung. Zu Beginn der Demonstration fanden sich etwa 250 bis 300 Teilnehmer am Treffpunkt ein. Die Zahl der Teilnehmer erhöhte sich jedoch stetig.

"Wütender, aber friedlicher Protest"
Zum Auftakt der Demo riefen Rednerinnen zu einem "lauten, wütenden, aber friedlichen Protest auf." Teilnehmer hielten Plakate mit den Aufschriften "Nein zum Kopftuchverbot", "Ich will meine Freiheit" und "Wir sprechen für uns" in die Höhe.

Der Ärger einer Poetry-Slam-Sprecherin richtete sich inbesondere an den von ihnen bezeichneten "Desintegrationsminister" Sebastian Kurz: "Haben Sie verstanden, was Integration bedeutet?"

"Die weißen Männer schauen gerne weg"
Und weiter: "Wen kümmert's, wenn sie (Anm.: die Demokratie) entblößt liegt im Dreck, die weißen Männer schauen gerne weg", so die Rednerin und richtet sich noch einmal direkt an den Integrationsminister: "Doch sehen wir mal, wer als Letztes lacht, Herr Kurz! Ich jedenfalls, habe Sie schon jetzt mit einem Lächeln bedacht."

"Wir sind laut, weil ihr uns unsere Freiheit raubt"
Kurz nach 14.30 Uhr setzte sich der Demonstrationszug laut Veranstalter mit etwa 3500 Teilnehmern begleitet von einem Hupkonzert in Bewegung. Die Polizei zählte hingegen 2500 Aktivisten. Die Route führte die Demonstranten vom Platz der Menschenrechte, über den Ring und den Ballhausplatz bis zum Innenministerium. "Wir sind laut, weil ihr uns unsere Freiheit raubt", wurde gerufen. Frauen führten den Demonstrationszug an, die Männer gingen in einem eigenen Block dahinter.

Beim Eintreffen am Minoritenplatz vor dem Innenministerium kurz nach 15.30 Uhr richteten die Rednerinnen noch einmal ihre Worte an Kurz. Sein geplantes Integrationspaket sei viel mehr ein "Diskriminierungspaket". "Der Islam ist ein Bestandteil unserer Identität", so eine Sprecherin bei der Schlusskundgebung.

Keine besonderen Maßnahmen der Polizei
Die Polizei hatte im Vorfeld der Demonstration keine besonderen Maßnahmen geplant. Obwohl weit mehr Menschen vor Ort waren, als ursprünglich gedacht - die Veranstalter selbst rechneten zuvor mit etwa 1000 Teilnehmern - verlief die Aktion friedlich.

Die Ahndung von Vollverschleierung brauchten muslimische Teilnehmerinnen dort übrigens nicht befürchten. Zwar gab es wie bei jeder Demonstration ein Vermummungsverbot, dieses ziele allerdings eindeutig auf mögliche Straftaten ab.

Muslimische Jugend sagte Teilnahme ab
Die Muslimische Jugend hatte bereits am Freitag ihre Teilnahme an der Demonstration abgesagt. "Sicherheitsbedenken" wurden in einer Aussendung als Grund genannt.

Charlotte Sequard-Base
Redakteurin
Charlotte Sequard-Base
Alexander Bischofberger-Mahr
Alexander Bischofberger-Mahr
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden