Di, 21. November 2017

Profis „verblufft“

01.02.2017 10:31

Künstliche Intelligenz schlägt Mensch beim Pokern

Nach Schach, Jeopardy und Go muss sich der Mensch in einem weiteren Spiel gegen Maschinen geschlagen geben: Mit "Libratus" haben Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in den USA eine künstliche Intelligenz erschaffen, die jetzt vier der weltbesten Poker-Profis geschlagen hat. Die Stärke der KI: das Bluffen.

Unter dem Motto "Gehirn gegen künstliche Intelligenz: den Einsatz erhöhen" hatten die Wissenschaftler zu einem 20 Tage währenden Poker-Marathon ins Rivers Casino nach Pittsburgh geladen. Vier der weltbesten Profi-Spieler - Dong Kim, Jimmy Chou, Daniel McAulay und Jason Les  - nahmen die Einladung an und stellten sich der Herausforderung. 120.000 Texas-Hold'em-Partien später mussten sie sich gegen Libratus und dessen Vorsprung im Topf von über 1,7 Millionen Dollar in Chips geschlagen geben - ein statistisch signifikanter Sieg und keineswegs Zufall, wie die Wissenschaftler betonen.

Wenn das Smartphone Verhandungsgeschick beweist
Was den Sieg für die Wissenschaft so besonders macht: Um seine vier Herausforderer zu schlagen, musste - wie es sich beim Poker gehört - auch Libratus bluffen. "Der Computer kann beim Poker nicht gewinnen, wenn er nicht blufft. Eine KI zu entwickeln, die das erfolgreich kann, ist ein großer Schritt vorwärts. Stellen Sie sich vor: Ihr Smartphone könnte eines Tages in der Lage sein, für Sie den besten Preis für ein neues Auto zu verhandeln. Und das ist nur der Anfang", erläutert Computerwissenschaftler Frank Pfeffing von der Universität und verweist auf die Bereiche Geschäftsverhandlungen, militärische Strategie, Cybersicherheit und medizinische Behandlungsplanung, die eines Tages von Libratus' Entscheidungsfindung profitieren könnten.

Eigene Schwächen analysiert
Für den großen Bluff benötigte Libratus allerdings 1,35 Petaflops - das entspreche der Rechenleistung von 7250 High-End-Notebooks, so die Universität in einer Mitteilung. Nicht jedoch, um die Schwächen der Gegner zu analysieren, sondern seine eigenen: "Nach jedem Spieltag analysierte ein Algorithmus, welche Löcher die Profis in Libratus' Strategie identifiziert und ausgenutzt hatten", erklärt der Schöpfer der KI, Tuomas Sandholm. Die drei größten Schwächen seien dann behoben worden. Libratus unterscheide sich darin grundlegend von früheren Poker-KIs, die typischerweise nach Schwächen im Spiel der Gegner gesucht hätten.

Sebastian Räuchle
Redakteur
Sebastian Räuchle
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