Mi, 13. Dezember 2017

Tier rekonstruiert

31.01.2017 11:44

Unser ältester Urahn war ein großmäuliger Sack

In der chinesischen Provinz Shaanxi haben Paläontologen den vermutlich ältesten Vorfahren aller Neumünder (auch Deuterostomia genannt), zu denen auch die Chordatiere - darunter wir Menschen - gehören, gefunden. Einem internationalen Team ist jetzt gelungen, das Aussehen des nur einen Millimeter großen urtümlichen Vielzellers zu rekonstruieren. Das Bild, das die Forscher jetzt im Fachjournal "Nature" vorstellten, zeigt, dass unser ältester Urahn ein elliptischer Sack mit großem Maul war.

Gefunden wurde der winzige Urahn des Menschen in einer etwa 540 Millionen Jahre alten Gesteinsformation in der Shaanxi-Provinz in China. "Mit bloßem Auge gleichen die Fossilien winzigen schwarzen Körnern, aber unter dem Mikroskop wird ein atemberaubender Detailreichtum sichtbar", berichtet Koautor Simon Morris von der University of Cambridge.

Mithilfe von Computertomografie fanden die Forscher heraus, dass das Saccorhytus coronarius getaufen Tier eine große Mundöffnung besitzt, die von einem doppelten Ring aus gefalteter Haut umgeben ist. Auf den Aufnahmen sind auf dem inneren der beiden Ringe zudem kleine Vorsprünge erkennbar sind, die möglicherweise als Sensoren dienten. Laut Angaben der Wissenschaftler weise der Körperbau des Winzlings darauf hin, dass das Tier bereits einfach Muskeln hatte und sich vermutlich zappelnd fortbewegen konnte.

Urzeit-Tier hatte vermutlich keinen Anus
Mit seinem riesigen Maul war Saccorhytus coronarius in der Lage gewesen, Wasser aber auch größere Futterbrocken oder lebende Beute zu schlucken, berichten die Forscher in "Nature". Allerdings - so scheint es - besaß das urtümliche Tier, das zwischen Sandkörnern am Meeresgrund lebte, noch keinen Anus. "Sollte sich das bestätigen, dann müsste Saccorhytus alle Abfallstoffe wieder über den Mund ausgeschieden haben - was aus unserer Perspektive wenig appetitlich erscheint", berichtet Morris.

Bei den seepockenartig aussehenden kegelförmigen Vorsprüngen auf der Körperoberfläche des urzeitlichen Tieres handelt es sich nach Ansicht von Experten um eine Art Ausatmungsorgan - quasi ein früher Vorläufer der Kiemen. Über diese konnte es vermutlich auch das geschluckte Meerwasser bzw. vielleicht darin gelöste Abfallstoffe wieder ausgestoßen werden, mutmaßt das internationale Wissenschaftler-Team.

Wilhelm Eder
Redakteur
Wilhelm Eder
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