Fr, 24. November 2017

„Einwanderer-Nation“

28.01.2017 14:25

Facebook-Chef Zuckerberg stellt sich gegen Trump

US-Präsident Donald Trump hat einen vorübergehenden Einreisestopp für Flüchtlinge und Besucher aus muslimischen Ländern verhängt und damit ein weiteres Wahlversprechen eingelöst. Einer, dem diese Maßnahme, die dem Schutz der USA vor Anschlägen dienen soll, große Sorgen bereitet, ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Selbst Nachfahre von Einwanderern, kritisiert er Trump nun öffentlich. "Die Vereinigten Staaten sind eine Nation von Einwanderern und wir sollten stolz darauf sein", so Zuckerberg.

Seine Großeltern stammen aus Deutschland, Österreich und Polen ab, schrieb Zuckerberg am Freitagabend in einem Statement auf der Social-Media-Plattform. Die Eltern seiner Frau Priscilla waren Flüchtlinge aus China und Vietnam. Der offene Brief ist eine Reaktion auf das von Präsident Trump am Freitag unterzeichnete Dekret, demzufolge vier Monate lang keine Flüchtlinge ins Land gelassen werden. Trump selbst bezeichnete sich am Freitag in einem Tweet als "größter Verteidiger und loyalster Champion des Landes".

Zuckerberg dürfte diese Ansicht wohl nicht teilen. Weil die USA eine Nation von Einwanderern sei, würden ihm die jüngsten Dekrete des Präsidenten Sorge bereiten. "Wir müssen gewährleisten, dass unser Land sicher ist, aber wir sollten dies tun, indem wir uns auf diejenigen konzentrieren, die wirklich eine Bedrohung darstellen", findet der Facebook-Gründer klare Worte.

"Türen für Flüchtlinge offen halten"
Zuckerberg nennt konkret auch die laut Schätzungen mehreren Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten, die "über keine Dokumente verfügen und keine Bedrohung sind", die nun "in Angst vor Deportation" leben müssen. "Außerdem sollten wir unsere Türen für Flüchtlinge und diejenigen, die Hilfe brauchen, offen halten. Das ist, wer wir sind. Wenn wir Flüchtlinge vor ein paar Jahrzehnten abgelehnt hätten, wäre Priscillas Familie heute nicht hier."

Zuckerberg abschließend: "Wir sind eine Nation von Einwanderern, und wir alle profitieren davon, wenn die besten und schlausten Menschen aus aller Welt bei uns leben, arbeiten und etwas beisteuern können. Ich hoffe, dass wir den Mut und das Mitgefühl aufbringen, Menschen zusammenzubringen und diese Welt für jeden verbessern."

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wird angesichts der aktuellen Migranten-Diskussion übrigens auch darauf hingewiesen, dass etwa auch der Vater von Apple-Mitgründer Steve Jobs aus der syrischen Stadt Homs stammte. Und eine USA ohne Apple wäre heute wohl kaum noch vorstellbar.

Zuflucht für 2,5 Millionen Menschen in den USA
Das US-Flüchtlingsprogramm, das Trump jetzt für 120 Tage ausgesetzt hat, war über Jahre eines der großzügigsten Programme zur Aufnahme von Opfern bewaffneter Konflikte weltweit. Nach Angaben des Pew-Forschungsinstituts wurden über das Programm seit seiner Schaffung 1980 rund 2,5 Millionen Flüchtlinge in den USA aufgenommen.

2015 nahmen die USA allein 64 Prozent der Flüchtlinge auf, die das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) für eine Umsiedlung vorgeschlagen hatte. Im vergangenen US-Haushaltsjahr, das von Oktober 2015 bis Ende September 2016 ging, fanden unter Trumps Vorgänger Barack Obama insgesamt 84.994 Flüchtlinge aus aller Welt Zuflucht in den USA, darunter etwas mehr als 10.000 Syrer. Im laufenden Haushaltsjahr wurden bereits 25.671 Flüchtlinge aufgenommen, darunter allein 2.089 seit Trumps Amtseinführung am 20. Jänner.

Heuer "nicht mehr als 50.000 Flüchtlinge"
Obama hatte ursprünglich das Ziel vorgegeben, im laufenden Haushaltsjahr bis Ende September 110.000 Flüchtlinge aufzunehmen und dafür rund 1,5 Milliarden Dollar (1,4 Milliarden Euro) auszugeben. Nach dem Willen der neuen US-Regierung sollen es nun "nicht mehr als 50.000" Flüchtlinge werden.

In seiner fast 40-jährigen Geschichte wurde das US-Flüchtlingsprogramm bisher nur einmal für drei Monate ausgesetzt: nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Bisher ist allerdings noch kein Flüchtling, der das Programm durchlaufen hat, wegen einer terroristischen Straftat verurteilt worden.

Harald Dragan
Redakteur
Harald Dragan
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