Fr, 24. November 2017

„Krone“-Nachtkritik

25.01.2017 22:16

Wilder Shakespeare im Burgtheater

Ein anfangs animierender, dann zusehends ermüdender Abend am Burgtheater: Shakespeares Erstling "Komödie der Irrungen" wird vom Theaterwilden Herbert Fritsch mit Routine und Können in eine grelle Clownerie verwandelt. Trotz ihrer unbestreitbaren Virtuosität entgleist die Aufführung allerdings in zusehends sinnleere Hektik.

Shakespeares "Komödie der Irrungen" steht unter Literatursnobs im Verruf eines rüden, situationskomischen Schwanks. Gerade das aber macht die Geschichte für Herbert Fritsch begehrenswert: Der deutsche Regisseur ist ein alter Wilder aus der Gründergeneration um den berliner Theateranarchisten Frank Castorf.

Dadaistische Clownerie
Zwei nach der Geburt getrennte Zwillingspaare von identischem Äußerem, namensgleich auf Grund einer elterlichen Marotte, brechen über die Stadt Ephesos herein. Die beiden Antipholus sind die Herren, die beiden Dromios die Sklaven: das Material für einen Schwank von slapstickhafter Drastik, den Fritsch in eine virtuos choreographierte Hanswurstiade, in eine dadaistische Clownerie verwandelt.

Ereignisse entgleisen aus dem Absurden ins Wirre
Das Problem der Aufführung besteht darin, dass sich das Verfahren verselbständigt. So entgleisen die Ereignisse im Verlauf zweier pausenloser Stunden aus dem Absurden ins Wirre und Immergleiche. Bei aller Virtuosität haben die Protagonisten Sebastian Blomberg und Simon Jensen auch nicht das Format großer Clowns und verschwinden in der Einförmigkeit des Hochgeschwindigkeitsgetöses.

Heinz Sichrovsky, Kronen Zeitung

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