Di, 21. November 2017

Biathlon-Nachlader

23.01.2017 16:40

Dreisten Dieben auf der Spur

Antholz war nicht nur in puncto Wetter eine Sensation, sondern bot auch sportlich allerlei Überraschungen. Der Krone-Nachlader zum Biathlon-Weltcup in Südtirol.

Wer waren die Helden in Antholz? Wer enttäuschte? Wir geben dir den Überblick:

HELDEN

  1. Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Nadine Horchler, noch nie auf dem Stockerl eines Weltcuprennens, feierte im Massenstart sensationell ihren ersten Sieg. Und wie! Am Schießstand makellos, schüttelte sie Gabriela Koukalova auf der Schlussrunde ab, hielt auch Laura Dahlmeier auf Distanz. "Es ist sooooooo wunderschön. Ich bin überwältigt", rang die Deutsche nach Worten. Schwester Karolin, ebenfalls Biathletin, flippte dagegen zuhause aus. Unbedingt den Ton anmachen:

  • Antholz erlebte eine weitere Podestpremiere - und das ausgerechnet von einer Lokalmatadorin. Alexia Runggaldier stahl Topstar Dorothea Wierer eindrucksvoll die Show und landete im Einzel auf Rang drei. Mit Rang sechs im Massenstart bestätigte sie ihre Bombenform, zum Drüberstreuen gab’s mit der Staffel erneut Platz drei. Vor Antholz hatte sie gerade mal einen zehnten Platz (Einzel WM 2016) zu Buche stehen.
  • Lenart Oblak ist selbst in Biathlonkreisen ein recht unbeschriebenes Blatt. Der 25-Jährige versucht schon seit Jahren, sich im Schatten eines Jakov Fak oder Klemen Bauer für höhere Aufgaben zu empfehlen. Diesmal hat sich der Slowene ein Sonderlob verdient. Oblak blieb als Einziger unter 105 Startern im Einzel fehlerfrei. Der Lohn waren seine ersten Weltcuppunkte, die er als 35. holte.
  • ENTTÄUSCHTE

    1. Kopfschüttelnd und schwer enttäuscht kamen die Athleten angerauscht. Kurz zuvor hatten sie ein Treffen mit der IBU, die sich im Dopingskandal um das russische Team wieder einmal zaghaft verhielt und wenig bis gar nicht auf die Forderungen der Athleten (u.a. bis zu acht Jahre Sperre für Sünder) eingingen. Eine Krisensitzung mit den Stars später die Kehrtwende: Der Weltverband berief einen "Außerordentlichen Kongress" ein, will sich zeitnah - am 8. Februar in Hochfilzen - treffen, um "so schnell wie möglich neue Richtlinien einzuführen". Gut, dass endlich gehandelt wird. Schlecht, dass es nur auf Nachdruck der Athleten passiert.
    2. Der große Pechvogel der letzten Woche heißt Lukas Hofer. Ausgerechnet vor seinen Fans und am Ort seines bislang einzigen Weltcupsieges musste er w. o. geben. "Leider endet der Weltcup in Antholz für mich früher als erwartet - aufgrund des Fiebers, welches über Nacht gestiegen ist." Der 27-Jährige konnte in seiner Heimat kein einziges Rennen bestreiten.
    3. Einen Doppel-K. o. erlitten die tschechischen Stars Ondrej Moravec und Michal Slesingr. In den letzten Jahren verlässliche Stützen, gleicht ihr aktueller Winter einer Achterbahnfahrt. In Antholz führte sie steil nach unten. Im Einzel gingen die beiden als 57. (Moravec) und 85. (Slesingr) leer aus, im Massenstart kamen sie nicht über die Ränge 23 und 24 hinaus. Auch die Staffel verlief für die erfolgsverwöhnten Tschechen miserabel - nur Platz 13!

    KURIOSITÄTEN

    • Mit dem Ausgang des Massenstarts hatte Celia Aymonier nichts zu tun. Abgeschlagen kam sie - mit zweieinhalb Minuten Rückstand auf die Vorletzte - nur auf Position 30 ins Ziel. Das hielt die Französin nicht davon ab, den phänomenalen Fans im Antholzer Tal noch eine kleine Show zu bieten. Guckst du:

  • Am Samstag gewann sie sensationell den Massenstart, am Sonntag blieb ihr dennoch nur die Zuschauerrolle. Nadine Horchler fand keine Berücksichtigung in der deutschen Damen-Staffel. Trainer Gerald Hönig ist trotz Qual der Wahl bei der Aufstellung wahrlich zu beneiden. Auch ohne Horchler gelang dem Quartett Vanessa Hinz, Maren Hammerschmidt, Franziska Hildebrand und Laura Dahlmeier der dritte Sieg im dritten Bewerb.
  • Erinnert ihr euch noch an den 22. Jänner 2011? Wenn nicht, helfen wir euch gerne auf die Sprünge: An jenem Samstag fand ein Massenstart in Antholz statt, den Martin Fourcade vor Björn Ferry (SWE), Anton Shipulin (RUS) und Daniel Mesotitsch (AUT) gewann. Warum das von Bedeutung ist? Weil es (bis dato) Fourcades einziger Erfolg in der süditalienischen Höhe bleiben sollte. Auch in diesem Jahr ging der Franzose leer aus. Bei insgesamt 57 Weltcuperfolgen des Überfliegers eine echte Überraschung.
  • Kaum zu glauben, aber wahr: Johannes Thingnes Boe erlöste Norwegen mit seinem Triumph im Massenstart am Sonntag, sorgte für den ersten Saisonsieg der erfolgsverwöhnten Wikinger.
  • Eine Abordnung des Biathlon-Fanclubs Saalfelden machte sich vergangene Woche auf nach Südtirol, um Julian Eberhard und Co. tatkräftig zu unterstützen. Mit dabei auch ein großes Transparent, das - wie im Bild unten zu sehen - gut sichtbar positioniert wurde. Blöd nur, dass Diebe sich erdreisteten, es am Sonntag zu stehlen. Wenn jemand sachdienliche Hinweise zum Verschwinden des Banners hat, darf er sich gerne bei uns oder dem Fanclub in Saalfelden melden.
  • ROT-WEISS-ROTE BRILLE

    • Lisa Hauser ist zurück in der Spitze! Die Tirolerin hat die durchwachsenen Stationen in Oberhof und Ruhpolding abgehakt und in Antholz wieder kräftig angeschrieben. Zehnte im Einzel, Zwölfte im Massenstart. Besonders erfreulich: Man hatte das Gefühl, es wäre sogar noch mehr drin gewesen!
    • Hinter der Reitherin trumpfte erneut Dunja Zdouc auf. Die Kärntnerin punktete als 28. im Einzel und ist nun zweitbeste ÖSV-Dame im Gesamtweltcup. Angesichts ihrer ansteigenden Form ist sie aus dem WM-Team kaum wegzudenken.
    • Sehr erfreulich auch die Staffelleistung der rot-weiß-roten Biathlon-Ladies - neben Hauser und Zdouc kamen Fabienne Hartweger und Christina Rieder zum Zug. Nach dem dritten Wechsel sensationell auf Platz vier, gab es am Ende den neunten Rang zu bejubeln. Nur hauchdünn wurde die beste Platzierung überhaupt (Platz acht in Oberhof 2015) verpasst.

  • Bei den Herren stach die Energieleistung von Julian Eberhard hervor. Von einem Darminfekt in der Staffel ausgebremst, trotzte er selbigem im Massenstart und wurde mit beachtlicher Schießleistung (nur zwei Strafrunden) Neunter. Zugleich war dies das beste Massenstartresultat seiner Karriere.
  • Auch Lorenz Wäger wusste zu gefallen. Der 25-Jährige feierte im Einzel sein bestes Weltcupergebnis (Rang 20) und qualifizierte sich erstmals für einen Massenstart. Auch in der Staffel gelang ihm - wie Sven Grossegger - eine tadellose Leistung. Fabian Hörl durfte derweil im Weltcup debütieren und landete über die 20 Kilometer auf Position 59.
  • Indes steht das ÖSV-Aufgebot für die EM in Duszniki Zdroj (POL) fest. Bei den Damen starten Katharina Innerhofer, Christina Rieder, Susi Hoffmann und Ramona Düringer. Bei den Herren wurde das Sextett David Komatz, Lorenz Wäger, Fabian Hörl, Klaus Leitinger, Sven Grossegger und Peter Brunner nominiert. Bernhard Leitinger bleibt nur die Rolle des Ersatzmannes. "Natürlich ist da eine Enttäuschung", erklärt der Salzburger, fügt aber sehr fair an: "Es war eine eindeutige Geschichte. Ich hatte nicht die entsprechenden Ergebnisse und die Burschen haben es sich absolut verdient."
  • DAS BESTE KOMMT ZUM SCHLUSS

    • Lowell Bailey und Co. machen gegen Doping mobil.

    Christoph Nister, Kronen Zeitung

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