Sa, 25. November 2017

Regierungs-Vorstoß

21.01.2017 09:33

Mehr „Flexibilität“: Die Neuverteilung der Arbeit

Das Patt, dass die Wirtschaft bei jeder Lohnrunde flexiblere Arbeitszeiten fordert und die Gewerkschaft daraus auch auf Vorteile für die Beschäftigen pocht, dürfte demnächst beendet sein: Die Regierung will ein neues Arbeitszeitgesetz vorlegen. Prinzipiell sei Österreich schon jetzt "flexibler als viele meinen. Unter Bedingungen ist Arbeit bis 72 Wochenstunden möglich, 12-Stunden-Tage in Ausnahmefällen gibt es seit Jahrzehnten", weiß ÖGB-Präsident Erich Foglar. Anpassungen zur Neuverteilung der Arbeit wären dennoch sinnvoll.

Foglars Wunschzettel dazu:

  • Mehr Zeitsouveränität: Das bedeutet ein Recht auf Arbeitsmodelle, die im Einvernehmen mit dem Betrieb eine Weiterbildung als Antwort auf Roboterisierung und Digitalisierung erleichtern. "Das ist ein Hauptverhandlungspunkt. Derzeit ist man da aufs Entgegenkommen des Arbeitgebers angewiesen, obwohl beide Seiten profitieren." Ebenso wichtig wäre bessere Flexibilität je nach Lebensphase (für Kinderbetreuung, Pflege, eigenes Alter).
  • Zeitkonten: Die Wirtschaft drängt auf längere Durchrechnungszeiten für Überstunden (aktuell z. B. bei den Metallern 52 Wochen), die nicht gleich bezahlt, sondern auf Zeitkonten "angespart" werden. Foglar: "Ja, wir haben in den Betrieben immer kürzere und schwankendere Auftragszeiten, dem wird man sich anpassen. Aber schon jetzt klagen viele, dass sie ihre Zeitkonten gar nicht konsumieren können, weil sie wegen dünner Personaldecke ständig für Kollegen einspringen, damit das Werk nicht steht", fordert der ÖGB-Chef verbindliche Regeln, wann ein Zeitausgleich "angeordnet" bzw. als Freizeit verbraucht werden kann.
  • Arbeitszeit: Die letzte Verkürzung der Normalarbeitszeit (auf 38,5 Stunden) gab es 1986, ein weiterer Schritt wäre zu überlegen, so Foglar. "Wir haben einen Beschäftigungsrekord nur, weil wegen der Teilzeit die Arbeitsstunden sinken." Potenzial böten die jährlich anfallenden 250 Millionen Überstunden. Insgesamt arbeiten die Österreicher nämlich im Schnitt normal "nur" 1629 Stunden im Jahr, inklusive der regelmäßigen Mehrleistungen sind wir jedoch mit 41,5 Wochenstunden doch die Drittfleißigsten in der EU.

Christian Ebeert, Kronen Zeitung

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