Di, 12. Dezember 2017

Hotel verschüttet

20.01.2017 17:40

Wunder von Farindola: Überlebende geborgen

Nach dem von einem Erdbeben ausgelösten Lawinenabgang, bei dem am Mittwoch in den Abruzzen das abgelegene Luxushotel Rigopiano in der Gemeinde Farindola verschüttet worden war, sind am Freitag laut italienischen Rettungskräften zehn Überlebende, darunter drei Kinder, aus den Schneemassen geborgen worden. Sie wurden nach 43 Stunden in einem Dachboden gefunden und haben überlebt, weil sie in einer Nische Feuer hatten machen können. Bisher wurden fünf Leichen geborgen, etwa 15 Personen gelten noch als vermisst.

Zu den Überlebenden zählen Adriana Parete, Frau des 38-jährigen Kochs, der nach der Katastrophe als erster Alarm geschlagen hatte, sowie ihr achtjähriger Sohn. Nach ihrer Tochter Ludovica wird noch gesucht. Laut der Mutter sei das Kind am Leben, befinde sich jedoch in einem weiteren Raum unter den Trümmern des Hotels, die eine Art von Glocke gebildet hätten. Gerettet wurde auch ein weiterer Bub, der mit seinen Eltern im Hotel zu Gast war. Noch unklar ist, ob sich seine Eltern retten konnten.

Zu den Überlebenden zählte auch eine dreiköpfige Familie aus der Adria-Stadt Osimo mit einem siebenjährigen Sohn. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender RAI zeigte Bilder vom Moment, in dem der Bub unter dem Jubel der Retter aus den Trümmern geholt wurde (siehe Video oben). Mehrere Hubschrauber flogen die Überlebenden nach ihrer Bergung in umliegende Krankenhäuser.

"Es war wunderbar, als wir sie gefunden haben. Sie waren überglücklich. Sie wollten es nicht glauben, dass wir sie gefunden haben und haben uns umarmt. Der Raum, in dem wir sie entdeckt haben, ist groß und es gab viel Atemluft", berichtete einer der Retter.

"Wir haben noch Hoffnungen, weitere Überlebende zu finden", hieß es seitens der Rettungskräfte. Experten zufolge könnten Verschüttete bis zu fünf Tage nach der Lawine ausharren, wenn sie genügend Sauerstoff erhalten. Insgesamt sind 135 Retter vor Ort im Einsatz. Die Rettungseinheiten hatten Freitagfrüh schon fast alle Hoffnungen aufgegeben, da weder mit technischen Hilfsmitteln noch durch Spürhunde Lebenszeichen aus dem Inneren des Hotels festgestellt werden konnten.

Beschwerlicher Weg zum Unglücksort
Die Retter hatten sich in der Nacht auf Donnerstag acht Kilometer weit auf Skiern ihren Weg durch Schnee und Eis zum Hotel Rigopiano auf einer Höhe von 1200 Metern gebahnt. Bei Temperaturen von minus vier Grad Celsius tobte zudem ein Schneesturm in der Region. "Wir haben um vier Uhr das Hotel erreicht. Vom ganzen Gebäude war nichts mehr zu sehen, nur ein weißer Hügel", berichtete Lorenzo Gagliardi, der mit einem Alpinistenteam als erster den Unglücksort erreichte.

Helfer: "Wir haben mit Schaufeln und Händen gegraben"
"Wir haben mit Schaufeln und Händen gegraben", sagte Gagliardi über den Einsatz am Donnerstag. "Ich war schon bei vielen Lawinen im Einsatz. Ich habe Menschen bei den Erdbeben in L'Aquila, Norcia und Amatrice gerettet. Doch hier ist es anders."

Koch überlebte, weil er Tabletten aus dem Auto holte
Der 38-jährige Koch Giampiero Parete konnte gerettet werden. "Ich bin am Leben, weil ich aus dem Hotel gegangen bin, um meiner Frau Kopfschmerztabletten aus dem Auto zu holen", sagte er. Die Lawine verschüttete seine Frau, seine sechsjährige Tochter Ludovica und seinen achtjährigen Sohn Gianfilippo. Parete wurde zwar selbst verschüttet, konnte sich jedoch befreien. Von seinem Auto aus bat er seinen Freund und Arbeitgeber Quintino Marcella um Hilfe und wartete dann auf Rettung. Schwer unterkühlt wurde er per Hubschrauber ins Krankenhaus von Pescara geflogen.

Psychologen und Ärzte betreuen Angehörige
In der Ortschaft Penne zu Füßen des Gran Sasso wurde eine Unterkunft für die Angehörigen der Vermissten eingerichtet. Rettungseinheiten, Psychologen und Ärzte übernahmen die Betreuung. Inzwischen wurde eine offizielle Liste der Vermissten veröffentlicht, darunter befinden sich der Eigentümer des Hotels und seine Mitarbeiter sowie drei Kinder. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Fahrlässigkeit, denn angeblich sollen die örtlichen Behörden vor akuter Lawinengefahr gewarnt haben.

Die Lage in dem verschneiten Bebengebiet bleibt weiterhin kritisch. Die Schneeräumung komme nur schleppend voran, weil wenige Fahrzeuge zur Verfügung stehen, klagten die Bewohner der Gegend. Mehrere Touristen stecken seit Tagen in Ortschaften am Apennin fest. Die Gegend wurde von den heftigsten Schneefällen seit Jahren heimgesucht. Am Mittwoch war es in der Region zu Erdbeben mit Stärke von über 5 gekommen.

 krone.at
Redaktion
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