So, 22. Oktober 2017

Schwester des Toten

19.01.2017 17:57

„Mein Bruder wollte sich nicht retten lassen“

"Wir haben alles versucht, aber er wollte sich einfach nicht helfen lassen", sagt die Schwester jenes Mannes, der monatelang tot in seiner Wohnung lag, ehe nun seine Leiche - wie die "Krone" bereits ausführlich berichtete - gefunden wurde. Heute soll eine Obduktion stattfinden, polizeiliche Ermittlungen laufen.

Der 46-jährige Armin B. dürfte bereits im Mai vergangenen Jahres, spätestens aber im Sommer in seiner Wohnung in der Teuflstraße am Linzer Bindermichl verstorben sein - erst am vergangenen Dienstag wurde bei einer polizeilichen Wohnungsöffnung seine stark verweste Leiche gefunden.

Im Februar öffnete die Polizei die Wohnung
"Er hat im Vorjahr im Februar alles hingeschmissen, ist plötzlich nicht mehr in der Arbeit, bei der er als Chef der Planungsabteilung vierzig Mitarbeiter unter sich hatte, erschienen", erzählte seine Schwester der "Krone". Sie sowie seine Chefin und Arbeitskollegen hätten immer wieder versucht, ihn zurückzuholen. Im Februar öffnete die Polizei die Wohnung des 46-Jährigen. Sie war vermüllt, er roch stark nach Alkohol. "Aber der anwesende Amtsarzt hat gemeint, er kann ihn nicht zwangseinweisen - jeder darf leben, wie er will!"

Penetranter Geruch im Haus
Den bis dahin äußerst kreativen, künstlerischen und sportlichen Mann dürfte schwerstes Burn-out aus der Bahn geworfen haben, aber er wollte nicht ins Spital, ließ niemanden in seine Wohnung. Unbemerkt verstarb der 46-Jährige schließlich in seinem Badezimmer.
Im Haus breitete sich penetranter Geruch aus. "Aber die Polizei meinte, sie könne nicht dauernd diese Wohnung aufbrechen lassen", berichtete die Schwester des Toten. Nachbarinnen hatten geglaubt, er sei im Spital, darum habe sich niemand im Haus Sorgen gemacht
Da Armin B. seinen Hauptwohnsitz woanders gemeldet hatte, dachte sich bei der Hausverwaltung der WAG auch niemand etwas, als sich die Post und Werbeprospekte stapelten.

Johann Haginger, Kronen Zeitung

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