Mo, 20. November 2017

Erbe der Stadträtin

19.01.2017 16:50

Spitalsmisere: Ruinen und ein zu teurer Neubau!

Im Wilhelminenspital fehlt sogar das bisschen Geld für Fensterglas, im Otto-Wagner-Spital verfällt ein ganzer denkmalgeschützter Pavillon (siehe Video oben): Während die Eröffnung des 1,3 Milliarden teuren Krankenhauses Nord weiter auf sich warten lässt, verfällt in Wien die uralte Spitalssubstanz.

"Wo ist da bitte das Arbeitsinspektorat? Wenn bei einem Waxing-Institut der Blick ins Freie verstellt ist, gibt's Ärger - und im Wilhelminenspital stehen die Angestellten im tiefsten Winter in Zimmern mit zerschlagenen Fensterscheiben", kritisiert ein Krankenhaus-Mitarbeiter, als er das "Krone"-Team beim Fotografieren trifft. Und tatsächlich erinnern die Zustände im Spital in Ottakring an Krisenregionen: Die Mitarbeiter mussten Spanplatten in die Fensterrahmen klemmen.

Die damit konfrontierte Führung des Krankenanstaltenverbundes (KAV) meinte: "Dort wird nicht gearbeitet, da ziehen sich die Mitarbeiter nur um." Und das Gebäude, in dem sehr wohl Licht in den Büros zu sehen war, werde "noch heuer" abgerissen. Allerdings: Dieser Zustand war auch schon im Juli 2016 fotografiert worden.

Ebenso skandalös: Im Otto-Wagner-Spital in Steinhof verfällt der ganze Pavillon 8 und in Hietzing rieselt vom Pavillon 2b der Verputz auf Patienten. Spitalsmitarbeiter sind sauer: "Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely hat nicht nur eine Baustelle, sondern auch viele Ruinen hinterlassen."

Weiter große Empörung über zu langsame Krebsbehandlung
Lange Wartezeiten (zu lange?), Chaos beim Personal, viel zu wenige Geräte - ausgerechnet bei der Krebstherapie, wo doch jeder Tag zwischen Leben und Tod entscheiden kann, deckte der Stadtrechnungshof eklatante Managementfehler auf. Die Empörung über den KAV ist enorm.

Wie berichtet, lässt der Stadtrechnungshof am KAV-Management in Sachen Krebstherapie kein gutes Haar. Fast alle sind empört über den Skandal, der durch die Kontrollberichte jetzt aufgedeckt wurde. Das beginnt bei der Opposition. "Was muss noch passieren, damit endlich etwas passiert?", fragt sich ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel, und Vizebürgermeister Johann Gudenus (FPÖ) fordert "eine weitere und nachhaltige Aufstockung der aktuellen elf Geräte für Strahlentherapie".

"Mangelversorgung bedroht Leben!"
Auch NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger nimmt sich kein Blatt vor den Mund: "Die Mangelversorgung bei der Strahlentherapie bedroht Leben!" Sogar die Grünen, obwohl in der Stadtregierung, sparen nicht mit Kritik.

Die dafür zuständige und mittlerweile zurückgetretene Gesundheitsstadträtin Wehsely (SPÖ) scheint sich mit diesem Wiener Thema nicht mehr auseinandersetzen zu wollen, eine Einladung ins "Wien Heute"-Studio lehnte sie ab, genauso wie KAV-Boss Udo Janßen, der laut ORF ebenso keine Zeit hatte. Stattdessen zeigte Patientenanwältin Sigrid Pilz ihre Empörung über den "notorischen Missstand" und die "Unterversorgung in der gesamten Ostregion", vor der schon 2015 gewarnt wurde, ganz offen. Pilz: "Wien hätte hier die Hausaufgaben machen müssen."

Richard Schmitt und Michael Pommer, Kronen Zeitung

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