Mo, 20. November 2017

Schweden-Modell

16.01.2017 17:57

Sechs-Stunden-Tag als Vorzeigeprojekt

Sechs Stunden Dienstzeit pro Arbeitstag sind genug - diese provokante These testete die schwedische Stadt Göteborg mit einem zweijährigen Experiment in einem örtlichen Pflegeheim. Bei einer zweitägigen Arbeitszeitkonferenz in Linz werden auch die Erfahrungen bei diesem skandinavischen Vorzeigeprojekt diskutiert.

"Einerseits wird mehr Flexibilität gefordert, andererseits sagen wir, das machen wir nicht zum Nulltarif. Ein Teil der Gesellschaft arbeitet bis zum Umfallen, während andere arbeitslos sind. Wir glauben, dass die Verteilung der Arbeit, nämlich so, dass alle ihre Existenz damit gewährleisten können, eine Schlüsselfrage der Zukunft wird", erklärt Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer, warum seine Organisation im Linzer Design Center für etwa 450 Teilnehmer eine Arbeitszeitkonferenz ausgerichtet hat.

10 Prozent weniger Krankenstände
Ein "Star" der Veranstaltung ist Daniel Bernmar, Vizebürgermeister von Göteborg - siehe auch  Interview.  Vor zwei Jahren beschloss die schwedische Kommune, als Forschungsprojekt in einem Pflegeheim den Sechs-Stunden-Tag einzuführen. Die Stadtväter wollten wissen, ob weniger Arbeit Gesundheit und Lebensqualität der Hilfspfleger beeinflusst. Dafür  wurden zu den 67 Arbeitskräften weitere 15 eingestellt.  Das Projekt endete im Jänner, die vorliegenden Ergebnisse sind eigentlich wenig überraschend: Die Krankenstände gingen um zehn Prozent zurück, das Gesundheitsgefühl der Pfleger stieg beträchtlich. Und die Beschäftigten können mehr Zeit und Aufmerksamkeit für die 65 Senioren aufbringen, die sich deshalb natürlich auch wohler fühlen.

"Kürzerer Arbeitstag  bringt allen etwas"
Von der Sinnhaftigkeit eines nur sechsstündigen Arbeitstags ist Daniel Bernmar, Vize-Bürgermeister von Göteborg, überzeugt.

Das Experiment kostetet etwa 630.000 Euro für zusätzliche Arbeitskräfte.
Etwa die Hälfte dieser Ausgaben wurde kompensiert, weil die Krankenstände und die Ausfallzeiten zurückgingen. Außerdem sind die langfristigen Effekte noch nicht eingerechnet. Dadurch werden die Kosten sicher noch weiter reduziert.

Aber ist ein Sechs-Stunden-Tag wirklich sinnvoll?
Unser Experiment zeigt klar, dass er einen Vielfach-Nutzen bringt. Wir von der Linkspartei wollen, dass in Schweden sechs Stunden der Standard werden. Als wir die Dienstzeiten auf acht Stunden pro Tag verringert haben, ist die Wirtschaft stärker gewachsen. Warum sollte es diesmal nicht auch so sein?

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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