Do, 23. November 2017

„Druck war so groß“

13.01.2017 14:24

Arzt wegen Quälens der eigenen Kinder vor Gericht

Über Jahre hinweg soll ein steirischer Arzt seine vier Kinder gequält und ihnen Drogen verabreicht haben. Der Mann fügte sich selbst schwere Verletzungen zu und zwang dann seine Kinder, ihm zu helfen. Außerdem soll er häufig mit Selbstmord gedroht haben. Der Angeklagte stritt bei der Verhandlung am Freitag alles ab und sprach von einer "unerträglichen Situation" wegen Ehestreitigkeiten. Die Verhandlung wurde vertagt.

Staatsanwalt Christian Kroschl schilderte die "jahrelangen schweren psychischen Leiden" der vier Kinder, die heute 18 bis 28 Jahre alt sind. Als sie noch Minderjährige waren, soll sie der Vater - der Bruder eines Politikers - dauernd mit Selbstmorddrohungen unter Druck gesetzt haben. Außerdem verletzte er sich mehrmals selbst, was er auch nicht leugnete.

Tochter musste Schraubenzieher aus Bauch des Vaters ziehen
"Der Druck war so groß", meinte er. Er gestand, sich selbst einen Schraubenzieher in den Bauch gestochen und von seiner Tochter verlangt zu haben, ihn herauszuziehen. Von seinem damals zehnjährigen Buben verlangte er, ihm eine intravenöse Injektion zu setzen. "Ich hatte starke Schmerzen", war seine Begründung für das für das Kind offenbar sehr traumatische Erlebnis. Auch soll er die Kinder gezwungen haben, verdorbene Nahrungsmittel zu essen, wie der Staatsanwalt anführte.

Vier Beziehungen neben Ehe geführt
"Warum behaupten Ihre Frau und die Kinder das, wenn es nicht stimmt?", fragte Richter Andreas Rom. Die krankhafte Eifersucht seiner Frau sowie seine permanente Überarbeitung hätten zu den Spannungen geführt, meinte der Beschuldigte. Die Eifersucht war offenbar nicht ganz unbegründet, unterhielt er doch bis zu vier Beziehungen zu anderen Frauen gleichzeitig. Und das, obwohl er nach eigenen Angaben von 5.30 Uhr bis spät in die Nacht nur arbeitete und sich um die Kinder kümmerte, kochte und den Haushalt besorgte. Seine Frau - ebenfalls Ärztin - habe in der Zwischenzeit nur für sich eingekauft. "Sie wollte Prada-Schuhe und ist weinend heimgekommen, weil es ihre Größe nicht gegeben hat", beschrieb er den häuslichen Alltag.

Kindern Schlafmittel verabreicht
Eine Scheidung wollte er nie, denn er sei ein "sehr konservativer Mensch", betonte der Angeklagte. "Wie passt das mit Ihren vier Beziehungen zusammen?", fragte die Anwältin der Opfer. "Das interessiert uns hier nicht, und wenn er einen Harem hat", unterband der Richter derartige Diskussionen. Sehr wohl interessierte den Vorsitzenden, ob der Arzt seinen Kindern tatsächlich Schlafmittel zur Verfügung gestellt hat und zumindest die Tochter damit in die Abhängigkeit trieb.

"In einem so kurzen Zeitraum wird niemand süchtig", wiegelte der Angeklagte ab. Dass er die Kinder zum Essen von verdorbenen Nahrungsmitteln gezwungen haben soll, bestritt er: "Da war einmal eine Pizza und die war schon abgelaufen, die haben sie dann nicht gegessen. Und auf der Marmelade war ein Belag, den habe ich weggewischt, aber die Brote mussten sie nicht essen."

"Jetzt bin ich stabil"
Die ganze Familie war jahrelang in psychotherapeutischer Behandlung, was er als normal empfand. "Ich war auch 15 Jahre in Therapie, aber jetzt bin ich stabil." Das soll nach Meinung des Gerichts ein Psychiater abklären, der ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Arztes - der nach wie vor seine Praxis betreibt - erstellen soll. Bis zu diesem Ergebnis wurde die Verhandlung vertagt.

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