Mo, 18. Dezember 2017

Diesel im Vergleich

05.01.2017 19:39

NOx-Ausstoß bei Pkw höher als bei Lastwagen

Die meisten von uns haben beim Gedanken an schwere Lkw gleich die Nase voll mit Dieselqualm - doch im Vergleich zu Pkw mit Dieselmotoren sind die Brummis wahre Umweltengel. Sogar im Vergleich mit Autos, die der aktuellsten Abgasnorm Euro 6 entsprechen, wie das Forschungsinstitut ICCT nun herausgefunden hat. Der Untersuchung zufolge stoßen sie mehr als doppelt so viel Stickoxide aus als moderne Lkw und Busse.

Zurückzuführen sei dies vor allem auf "unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen" für Abgastests bei den verschiedenen Fahrzeugtypen.

Die Forscher verglichen den Angaben zufolge Messdaten von 24 Bussen und Lastwagen der Schadstoffnorm Euro VI mit Testergebnissen für Diesel-Pkw. Dabei nutzten sie Daten des Kraftfahrtbundesamts (KBA) und des Technischen Forschungszentrums Finnland. Demnach stießen die Lkw und Busse im Schnitt 210 Milligramm Stickoxide (NOx) pro Kilometer aus. Bei den Euro-6-Dieselautos waren es 500 Milligramm.

"Schon alleine der direkte Vergleich der Fahrzeugemissionen je Kilometer ist erstaunlich genug", urteilte ICCT-Forscherin Rachel Muncrief. "Bezogen auf den Kraftstoffverbrauch, unter Berücksichtigung der höheren Lastanforderungen für Lkw und Busse, liegen die Stickoxid-Emissionen von Diesel-Pkw jedoch sogar um den Faktor zehn höher als die vergleichbaren Werte für Nutzfahrzeuge."

Reale Emissionsprüfung bei Lkw vorgeschrieben
Zur Erklärung der Werte verweisen die Forscher darauf, dass für die Abgasmessungen bei Lastwagen und Bussen bereits seit dem Jahr 2013 mobile Messgeräte vorgeschrieben seien. So könnten "zufällig ausgewählte Fahrzeuge unter realen Fahrbedingungen" untersucht werden, erläuterte der Europa-Geschäftsführer des ICCT, Peter Mock. Bei Autos dagegen gebe es lediglich Labormessungen, für die "sorgfältig vorbereitete" Prototypen der Hersteller benutzt würden.

Tests unter realen Fahrbedingungen (Real Driving Emissions) gibt es in der EU auch für Autos, allerdings erst ab September. Dabei sollen auch mobile Messgeräte benutzt werden. Dem ICCT geht das aber nicht weit genug. Bisher sei geplant, dass auch bei den neuen Teststandards vom Hersteller ausgewählte Prototypen untersucht werden. "Besser wäre es, stattdessen normale Serienfahrzeuge aus Kundenhand zu vermessen und stichprobenartige Nachkontrollen einzuführen", forderte Mock.

Der International Council on Clean Transportation (ICCT) hatte den Abgas-Skandal bei Volkswagen mit aufgedeckt. In den vergangenen Monaten prangerte das Institut immer wieder hohe Abgas- und Verbrauchswerte bei Autos an.

Lkw-Verbrauch deutlich gesunken
Der Spritverbrauch von Lkw ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten übrigens deutlich gesunken, wie im Herbst ein Test von "Lastauto Omnibus" ergeben hat. Für die Fachzeitschrift trat ein aktueller Mercedes Actros 1845 gegen einen Mercedes 1844 von 1996 und einen Mercedes Actros 1846 von 2003 an. Ergebnis: Mit einem Verbrauch von 31,9 l/100 km benötigte das moderne Modell 22 Prozent weniger Diesel als sein 20 Jahre alter Vorgänger, der sich 40,8 Liter genehmigte. Der Lkw von 2003 benötigte 37,4 Liter. Gefahren wurden die Fernverkehrs-Lkw mit einem Testgewicht von 40 Tonnen jeweils über eine 1536 Kilometer lange Strecke mit anspruchsvoller Topographie.

Für Pkw hatte zuletzt unter anderem die Zeitschrift "Auto Bild" einen ähnlichen Test vorgenommen. Beim Vergleich zwischen Modellen von 1990 und 2010 ergab sich kein einheitliches Bild. Teilweise verbrauchten die modernen Fahrzeuge mehr, teilweise bis zu einem Drittel weniger.

 krone.at
Redaktion
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