Do, 14. Dezember 2017

Spitäler überfüllt

05.01.2017 16:55

Gangbetten empören: "Wo leben wir eigentlich?"

Ewig langes Warten, überfüllte Notfallambulanzen, Gangbetten auf den Stationen: Ohne jegliche Privatsphäre werden Patienten in Wien tagelang auf Liegen in Spitalsfluren untergebracht. Die Bilder vom "Krone"-Lokalaugenschein in Wiens Spitälern sorgen für Empörung und heftigen Streit über die Gesundheitspolitik. "Wo leben wir eigentlich?", zeigt sich auch der Wiener Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres empört.

"Eine Schande!", fasst ein krone.at-User das breite Echo auf die aktuelle Situation in den städtischen Spitälern zusammen. "Heutzutage kann man in Wien nur noch hoffen, dass man nicht krank wird", findet Moritz K.

Vielen "Krone"-Lesern sind die Bilder aus eigener Erfahrung bekannt. Jeden Tag treffen Wiener in Spitälern Patienten auf Gangbetten an. "Mein Vater lag vor Kurzem mit einer schweren Lungenentzündung auf dem Gang, er ist 84 Jahre alt", so Michaela K. In der Ambulanz im Donauspital harrte ein Leser 8,5 Stunden in der Ambulanz aus, bis er einen Arzt zu Gesicht bekam.

"Gesundheitssystem sollte Grippewelle verkraften"
"Ein intaktes Gesundheitssystem sollte eine Grippewelle verkraften", antwortet User "Pittorenero" auf die Erklärung des Krankenanstaltenverbundes (KAV), warum man derzeit an Kapazitätsgrenzen stoße. KAV-Chef Udo Janßen leuchtet das allerdings nicht ein: Gangbetten seien "in jedem Land in Zentraleuropa anzufinden", sagte er am Donnerstag. "Wofür ich kein Verständnis habe, ist, wenn wir Zimmer mit Betten verfügbar haben, die, auch wenn sie derzeit als 'gesperrt' gelten, nicht belegt werden", so der an sich dafür Verantwortliche weiter.

"Wo leben wir eigentlich?"
"Wo leben wir eigentlich?", fragt auf der anderen Seite der Wiener Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres empört. "Gangbetten aufstellen ist eines sozialen Systems, das Kaputtsparen einer sozialen Gesundheitsvorsorge nicht würdig." Sein Fazit: Gangbetten seien die Folge einer zu niedrigen Zahl an Pflegern.

Maida Dedagic, Kronen Zeitung

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