Mi, 22. November 2017

Stadt der Gangbetten

04.01.2017 16:53

So überfüllt sind Wiens Krankenhäuser

In den Wiener Gemeindespitälern müssen Patienten stunden- und tagelang in Gangbetten "genesen" - Tag und Nacht, bei grellem Licht, jeglicher Intimsphäre beraubt. Die "Krone" fand in den Spitälern am Mittwoch prekäre Bedingungen für Patienten vor. Verstärkt werden sie durch die aktuelle Grippewelle und die Urlaubszeit.

"Da liegen jeden Tag Patienten auf dem Gang", sagt ein Besucher auf dem Weg zur Unfallchirurgie im Wilhelminenspital. Beim Eintreten stehen gleich vier Betten auf einem Flur. Es sind ausschließlich ältere Patienten, die am Mittwochvormittag hier untergebracht sind. Mit einem winzigen Fetzen Stoff "bedeckt", versucht eine Frau nach dem Griff zu schnappen, während Besucher, Ärzte und Pfleger vorbeigehen. Sie liegt zwischen Geräten und zwei kleinen Trennwänden.

Das gleiche Bild im Donauspital: Sieben Patienten liegen inmitten der Notfallambulanz, das Wartezimmer platzt aus allen Nähten. Sie verbringen Stunden in dem Raum. Auf der Unfall- und Sportchirurgie löffeln Gangpatienten in ihren Betten das Essen aus Tellern.

Geheimniskrämerei um die genauen Zahlen
Beim Krankenanstaltenverbund (KAV) leugnet man gar nicht, dass die "Kapazitäten aktuell an Grenzen stoßen". Grund seien die Grippewelle, Urlaube im niedergelassenen Bereich und die Zunahme der Zahl älterer Patienten. Aber um die Anzahl der Gangbetten macht der KAV ein Geheimnis.

Ärztekammer-Chef: "Gangbetten sind Folge von Fehlplanung"
"Es ist unwürdig", kommentiert Ärztekammer-Chef Thomas Szekeres. Die ÖVP ortet ein Versagen der Gesundheitspolitik. "Gangbetten sind in Grippezeiten nicht die Ausnahme, sondern das ganze Jahr über die Regel", so ÖVP-Wien-Chef Gernot Blümel. Deshalb ersucht er den Stadtrechnungshof, die Situation in KAV-Spitälern zu prüfen. "Gangbetten sind die Folge von Fehlplanung. Da liegt die Schuld beim Management und der Politik", kritisiert Szekeres.

Maida Dedagic und Reinhard Holl, Kronen Zeitung

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