Mi, 22. November 2017

Fettner unser Bester

04.01.2017 18:35

Tour-Sieg für Kraft nach Windchaos in weiter Ferne

Was für ein bitteres Bergisel-Springen für die ÖSV-Adler! Dass Manuel Fettner auf Platz sieben der beste Österreicher sein würde, hätte vor dem dritten Bewerb der heurigen Vierschanzentournee wohl kaum jemand gedacht. Allerdings trugen sowohl die schwierigen Windverhältnisse in Innsbruck als auch ein garstiger Magen-Darm-Virus bei Stefan Kraft (18.) das Ihrige dazu bei, dass aus rot-weiß-roter Sicht ein Springen zum Vergessen aus der ersten österreichischen Tour-Station wurde. Freilich: Den nach dem ersten Durchgang abgebrochenen Bewerb entschied mit dem Norweger Daniel Andre Tande auch nicht gerade ein "Blinder" für sich.

Das und die krankheitsbedingt maue Platzierung von Kraft bedeuten nun, dass der Salzburger am Bergisel viel an Terrain eingebüßt und die Tournee-Siegchance wohl vergeben hat. Der kraftlose Kraft kam mit 116 Metern nur an die 18. Stelle und liegt in der Zwischenwertung der 65. Auflage fast 17 Punkte hinter Tande (128,5 Meter) zurück. Der Norweger durfte sich also nach Garmisch erneut über einen Sieg freuen und führt die Tournee-Gesamtwertung vor dem Finale in Bischofshofen rund zwei Punkte vor dem Polen Kamil Stoch an. Der Pole, der nach einem Sturz im Probedurchgang gehandicapt war ("Ich kann meinen Arm nicht bewegen"), rettete mit dem vierten Platz (120,5 m) seine gute Ausgangsposition für die Entscheidung am Freitag.

Podestplätze von Johansson und Klimow eher Zufall
Der Sieg Tandes bei gutem Aufwind war angesichts dessen Topform verdient. Sein Teamkollege Robert Johansson und der Russe Jewgenij Klimow verdankten ihre ersten Podestplätze der Karriere aber wohl vor allem dem starken Aufwind bei ihren Sprüngen. Der erste Durchgang dauerte wegen der windbedingten Verzögerungen mehr als eineinhalb Stunden, die nahende Dämmerung machte das vorzeitige Ende unumgänglich. Auch vor drei Jahren war der Bewerb in nur einem Durchgang entschieden worden und so wie damals stand auch am Mittwoch erstmals bei dieser Tournee kein ÖSV-Springer auf dem Podest.

ÖSV-Coach Liegl stellt sich vor Schützling Huber
Der am stärksten erkrankte Michael Hayböck konnte gar nicht antreten. Andreas Kofler wurde nur 29. und Florian Altenburger stürzte sogar wegen des bei wärmerem Wetter nicht optimal präparierten Auslaufs. Er erlitt ein leichtes Schleudertrauma. Beide hatten ebenfalls an dem Virus laboriert. Damit der negativen Begleiterscheinungen nicht genug, wurde Stefan Huber auch noch disqualifiziert. Die Ampel schaltete vor dem Sprung des Salzburgers auf Grün, doch sein Trainer Florian Liegl gab wegen der aus seiner Sicht gefährlichen Windbedingungen kein Freizeichen. "Ich brauche den Stefan Huber noch, deshalb habe ich ihn nicht abgelassen", erklärte der Coach der zweiten Trainingsgruppe.

Kuttin: "Entscheidungen sind gegen unsere Meinung getroffen worden"
Auch Stefan Kraft war vom wechselnden Wind betroffen. Mehr als 40 Sekunden musste der Gesamt-Zweite als letzter Springer auf dem Balken warten, ehe Borek Sedlak, der Assistent von Renndirektor Walter Hofer, die Ampel doch noch auf Grün schaltete. "Da hat man nicht richtig gehandelt. Alle Entscheidungen sind gegen unsere Meinung getroffen worden", kritisierte ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin die dreiköpfige Jury, in der erstmals auch Marion Vettori, die Tochter von ÖSV-Sportchef Ernst Vettori, als Rennleiterin vertreten war. Kraft landete schon vier Meter vor dem K-Punkt. Den Probedurchgang hatte er wegen seiner körperlichen Schwäche ausgelassen.

Kraft: "Braucht ein Wunder, aber vielleicht kommt ja etwas zurück"
"Es wäre besser gewesen, sie hätten mich rausgelassen vom Balken. Das zipft mich etwas an, aber es nützt nichts", ärgerte sich der Pongauer im ORF-TV-Interview. "Ich bin rausgehüpft und habe nie ein Luftpolster bekommen. Der Sprung war keine Rakete, aber für 125 Meter reicht es normal immer", erklärte Kraft. Es sei bitter, dass es keinen zweiten Durchgang gegeben habe. "Da hätte sich alles noch etwas ausgeglichen." Wie zum Hohn schlief bald nach dem Ende der Wind ein. Ein Flutlicht in Innsbruck ist auch für die Bewerbe der WM 2019 noch nicht gesichert. Trotz des Rückstands sieht Kraft noch Chancen, seinen Gesamtsieg von 2015 zu wiederholen. "Jetzt gibt es nur volle Attacke. 17 Punkte sind nicht viel, denn Bi'hofen ist eine große Schanze", meinte Kraft. "Es braucht sicher ein Wunder, aber vielleicht kommt ja etwas zurück."

Noriaki Kasai zog in dem diffizilen Bewerb hingegen ein gutes Los. Dem 44-jährigen Japaner gelang erstmals bei dieser Tournee mit Rang zehn eine gute Platzierung und das just in seinem 100. Bewerb der Traditionsserie. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gratulierte mit einer Torte in Schanzenform.

Das Ergebnis:
1. Daniel-Andre Tande (NOR)               125,7 Punkte (128,5 Meter)
2. Robert Johansson (NOR)                  123,1 (133,0)
3. Jewgenij Klimow (RUS)                    119,1 (127,0)
4. Kamil Stoch (POL)                          117,4 (120,5)
5. Andreas Stjernen (NOR)                  117,1 (122,5)
6. Maciej Kot (POL)                           117,0 (121,0)
7. Manuel Fettner (AUT)                      116,7 (120,0)
7. Piotr Zyla (POL)                            116,7 (121,0)
9. Sebastian Colloredo (ITA)               114,4 (122,5)
10. Noriaki Kasai (JPN)                       114,3 (125,5)
11. Stephan Leyhe (GER)                   113,0 (120,5)
12. Vincent Descombes Sevoie (FRA)   111,2 (120,5)
13. Andreas Wellinger (GER)               110,7 (119,0)
14. Jarkko Määttä (FIN)                    110,4 (125,5)
15. Karl Geiger (GER)                        110,0 (125,0)
16. Lukas Hlava (CZE)                      106,9 (120,5)
17. Dawid Kubacki (POL)                   105,6 (115,0)
18. Stefan Kraft (AUT)                        103,3 (116,0)
19. Peter Prevc (SLO)                      103,0 (114,0)
20. Jakub Janda (CZE)                      102,2 (114,0)
21. Mackenzie Boyd-Clowes (CAN)      102,1 (115,5)
22. Denis Kornilow (RUS)                   100,8 (114,0)
23. Clemens Aigner (AUT)                  100,7 (114,0)
;                100,7 (115,0)
25. Domen Prevc (SLO)                    100,4 (112,5)
26. Roman Koudelka (CZE)                  98,8  (118,5)
27. Andreas Kofler (AUT)                     98,4  (111,5)
28. Richard Freitag (GER)                    97,6  (114,0)
29. Markus Eisenbichler (GER)               97,0  (112,0)
30. Daniel Huber (AUT)                         92,3  (108,0)

Der Stand in der Vierschanzentournee-Gesamtwertung:
1. Daniel-Andre Tande (NOR)       710,3 Punkte
2. Kamil Stoch (POL)                  708,6
3. Stefan Kraft (AUT)                   693,7
4. Piotr Zyla (POL)                     686,7
5. Manuel Fettner (AUT)             671,1
6. Markus Eisenbichler (GER)        669,0
7. Maciej Kot (POL)                    665,5
8. Stephan Leyhe (GER)              651,2
9. Peter Prevc (SLO)                  648,0
10. Jewgeni Klimow (RUS)            647,7
Weiters:
17. Andreas Kofler (AUT)             625,8
23. Markus Schiffner (AUT)          574,1
24. Michael Hayböck (AUT)         561,5
33. Florian Altenburger (AUT)     421,0
48. Elias Tollinger (AUT)               198,0
55. Clemens Aigner (AUT)            100,7
57. Daniel Huber (AUT)                    92,3

Der Stand im Gesamt-Weltcup:
1. Daniel-Andre Tande (NOR)             632 Punkte
2. Domen Prevc (SLO)                      596
3. Kamil Stoch (POL)                        533
4. Stefan Kraft (AUT)                          504
5. Maciej Kot (POL)                          383
6. Manuel Fettner (AUT)                     364
7. Markus Eisenbichler (GER)              361
8. Michael Hayböck (AUT)                  329
9. Severin Freund (GER)                    309
10. Andreas Kofler (AUT)                    252
11. Andreas Stjernen (NOR)                223
12. Piotr Zyla (POL)                           217
13. Peter Prevc (SLO)                        202
14. Vincent Descombes Sevoie (FRA)    198
15. Jewgenij Klimow (RUS)                   169
Weiters:
35. Markus Schiffner (AUT)                    28
44. Clemens Aigner (AUT)                       8
48. Florian Altenburger (AUT)                4
54. Daniel Huber (AUT)                            1

Der Stand im Nationencup:
1. Polen              1795 Punkte
2. Österreich      1790
3. Deutschland     1674
4. Norwegen        1320
5. Slowenien        1128
6. Japan               360
7. Tschechien        355
8. Frankreich         198
9. Russland            184
10. Schweiz            85

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