Di, 16. Jänner 2018

Mehr als 300 Tote

12.10.2006 17:09

Schwerste Kämpfe in Sri Lanka seit 2002

Bei den schwersten Kämpfen in Sri Lanka seit dem Waffenstillstand Anfang 2002 sind nach Armeeangaben mindestens 129 Soldaten und mehr als 200 Tamilen-Rebellen getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Colombo teilte am Donnerstag mit, seit dem Vortag seien im Norden Sri Lankas zudem 515 Soldaten und etwa 200 Rebellen der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) verletzt worden.

Heereseinheiten seien auf der Halbinsel Jaffna weiter ins Rebellengebiet vorgedrungen und dabei mit Luftangriffen unterstützt worden. Ob es Ende des Monats wie geplant zu Friedensgesprächen in Genf zwischen den Konfliktparteien kommen wird, war unklar.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, 74 Leichen von Soldaten seien der Armee am Donnerstag von der LTTE durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz übergeben worden. LTTE-"Militärsprecher" Irasiah Ilanthirayan hatte am Mittwochabend gesagt, bei ihrem Rückzug aus LTTE-kontrolliertem Gebiet habe die Armee die Leichen von 75 Soldaten zurückgelassen. Ein verletzter Soldat sei gefangen genommen worden. Der LTTE-nahe Internetdienst Tamilnet veröffentlichte Bilder der Leichen und des nach LTTE-Angaben 18 Jahre alten Gefangenen. Am Donnerstag äußerte sich die LTTE nicht zu Opferzahlen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen
Militärsprecher Prasad Samarasinghe wies die Darstellung der LTTE zurück, die Armee habe eine "Großoffensive" begonnen. Es handele sich um Vergeltungsschläge. Die LTTE habe zuvor Armeestellungen angegriffen gehabt, "obwohl sie (die Rebellen) versprochen hatten, an den Verhandlungstisch zurückzukehren". Die LTTE wies das zurück und warf der Regierung vor, mit der "Offensive" und dem versuchten Einmarsch in LTTE-Gebiet internationale Forderungen nach einem Ende der Gewalt zu missachten.

Friedensgespräche sollen Fortschritt bringen
Die norwegische Regierung, die in Sri Lanka vermittelt, hatte am Dienstagabend mitgeteilt, die Konfliktparteien hätten sich auf die Wiederaufnahme der seit sieben Monaten ausgesetzten Friedensgespräche am 28. und 29. Oktober in Genf geeinigt. Der norwegische Minister für internationale Entwicklung, Erik Solheim, appellierte an die beide Seiten: "Es ist entscheidend, dass die Regierung und die LTTE diese Möglichkeit nun nutzen, die Feindseligkeiten einzustellen (...), damit sichergestellt wird, dass ein Treffen tatsächlich stattfindet."

Seit Ende vergangenen Jahres eskaliert die Gewalt in Sri Lanka; mehr als 2200 Menschen kamen ums Leben. Zwischen Regierung und LTTE gilt seit Anfang 2002 ein Waffenstillstand, den offiziell keine der beiden Seiten aufgekündigt hat.

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