Mi, 18. Oktober 2017

Fahndung läuft

03.01.2017 06:40

IS veröffentlicht Video vom Istanbul-Massenmörder

Nach dem verheerenden Terrorangriff auf eine Silvesterfeier im Istanbuler Nachtclub Reina mit 39 Toten fahndet die türkische Polizei weiter nach dem Täter und möglichen Komplizen. Zwar gab es mehrere Festnahmen im Zusammenhang mit dem Attentat, das die Dschihadistenmiliz IS für sich reklamiert - der flüchtige Angreifer war aber nicht darunter. Nun veröffentlichte der IS ein Selfie-Video vom Attentäter.

Auf dem Video sieht man, wie sich der Mann auf dem Taksim-Platz in Istanbul filmt und dabei im Kreis dreht. Er spricht kein Wort, wirkt aber sehr entspannt und schmunzelt des Öfteren. Passanten mit Einkaufstaschen sind ebenfalls zu sehen, auch eine Frau mit einem Kinderwagen läuft hinter dem Mann vorbei. Der genau Zeitpunkt der Videoaufnahmen ist unklar. Es sind die bisher schärfsten Bilder des Verdächtigen. Die Terrormiliz hat sich inzwischen zu dem Anschlag bekannt und erklärt, der Angreifer sei "ein Soldat des Kalifats" gewesen.

Attentäter gab mehr als 180 Schüsse ab
Augenzeugen zufolge soll der Attentäter auf dem Boden liegenden Menschen gezielt in den Kopf geschossen haben, berichtete die Zeitung "Hürriyet Daily News". Insgesamt habe der Mann mehr als 180 Schüsse abgegeben und dabei sechs Mal das Magazin gewechselt.

Anschließend habe er sich umgezogen, seine Waffe gereinigt, während der Panik den Club verlassen - und dann in einem Taxi das Weite gesucht. "Hürriyet" berichtete zudem unter Berufung auf Geheimdienstquellen, es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff von derselben IS-Zelle ausgeführt worden sei wie der Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen im Juni. Damals hatten mehrere Selbstmordattentäter 45 Menschen mit in den Tod gerissen.

Mit dem Angriff auf den Club habe der IS, der am Montag in einer Mitteilung in seinem Propagandaorgan Amak die Verantwortung für die Tat übernahm, nach eigenen Angaben christliche Partygänger treffen wollen. Die Mehrheit der 39 Toten und fast 70 Verletzten stammte jedoch aus dem muslimisch geprägten Ausland. Unter den 39 Todesopfern waren der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge unter anderem elf Türken, sieben Menschen aus Saudi-Arabien und je drei aus dem Libanon und dem Irak. Zwei Opfer türkischer Abstammung hatten nach Angaben des deutschen Außenministeriums in Bayern gewohnt.

Fingerabdrücke des Attentäters gefunden
Die Behörden haben unterdessen offenbar eine weitere Spur zum Täter. Der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte am Montag, die Ermittler hätten Fingerabdrücke gefunden und mittlerweile eine grundlegende Beschreibung des Angreifers. Die Behörden seien nahe an der Identifizierung des Täters. Türkische Medien, darunter CNN Turk, verbreiteten zudem ein Video, das den Angreifer bei einer Kontrolle zeigte.

Am Montag tauchte auch das Video einer Überwachungskamera aus dem Club auf, das zeigt, wie sich der Angreifer den Weg freischießt:

Video: Hier beginnt der Attentäter das Morden

Keine weiteren Festnahmen bei Razzia
Bei der Suche nach dem Todesschützen nahm die Polizei zunächst acht Personen fest, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. Eine Razzia in einer Wohnung im Stadtteil Zeytinburnu am Montagabend verlief dann ohne weitere Festnahmen.

Türkei bekämpft in Nordsyrien den IS
Die türkische Regierung schloss unterdessen eine nochmalige Verlängerung des Ausnahmezustandes im Land nicht aus - und will ihren Militäreinsatz gegen den IS im benachbarten Syrien auch nach dem Attentat fortsetzen. Nach dem türkischen Einmarsch in Syrien im August rief IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi zu Anschlägen in der Türkei auf. Türkische Truppen liefern sich in der nordsyrischen Region seit einiger Zeit heftige und verlustreiche Gefechte mit Kämpfern der Miliz. Vize-Ministerpräsident Kurtulmus sagte, der Anschlag sei auch als Reaktion auf den Einsatz der türkischen Armee in Syrien zu verstehen. Dieser werde jedoch weitergehen, man werde alle Terrororganisationen "in die Knie zwingen".

Franz Hollauf
Redakteur
Franz Hollauf
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