Mi, 18. Oktober 2017

Neue Theorie

02.01.2017 09:56

Experte behauptet: „Titanic“ sank wegen Feuer

Hat doch nicht bloß der Ehrgeiz des Kapitäns, das "Blaue Band" für die schnellste Atlantiküberquerung zu erobern, sondern ein völlig außer Kontrolle geratener Schwelbrand in einem der Kohlebunker des Schiffes zum Untergang der "Titanic" am 15. April 1912 geführt? Laut einem Bericht der englischen Zeitung "Independent" soll der Stahlrumpf des Dampfers durch das Feuer nach und nach derart destabilisiert worden sein, dass der Eisberg ihn bei der Kollision leicht durchbohren konnte.

Als das funkelnagelneue, damals größte Schiff der Welt auf dem Weg von Southampton nach New York südöstlich vor Neufundland kurz vor Mitternacht des 14. Aprils 1912 seitlich auf einen Eisberg stieß und gut zweieinhalb Stunden später sank, riss es im Nordatlantik rund 1500 Menschen der über 2200 an Bord befindlichen Personen in den Tod - vor allem wegen der zu geringen Zahl an Rettungsbooten und aufgrund der Unerfahrenheit der Crew im Umgang mit diesen.

War man bislang davon ausgegangen, dass die Kollision mit dem Eisberg, der alleinige Grund für das Sinken der "Titanic" gewesen ist, hat man laut "Independent" nun Anhaltspunkte dafür gefunden, dass nicht allein das zum Untergang des Schiffes geführt hat. Vielmehr habe ein Feuer, dass schon Tage vor dessen Auslaufen am 10. April 1912 im Inneren des Dampfers wütete, einen Schaden an dessen Rumpf verursacht.

Fotos zeigen Brandspuren am Rumpf
Das würde eine Analyse von Fotos zeigen, die der Chefelektriker der "Titanic" machte, bevor diese die Werft in Belfast verließ, sagte Experte Senan Molony, der sich seit über 30 Jahren mit dem Sinken des Dampfers beschäftigt, dem "Independent". Er habe auf den Aufnahmen rund zehn Meter lange schwarze Spuren just dort am Rumpf entdeckt, wo die "Titanic" vom Eisberg aufgeschlitzt wurde. "Es sieht so aus, als sei der Schiffskörper an dieser Stelle bereits geschwächt oder beschädigt gewesen, als sie Belfast verlassen hat", wird der Journalist in dem Blatt zitiert.

Bereits 2004 hatte Robert Essenhigh von der Ohio State University die These aufgestellt, dass ein außer Kontrolle geratener Schwelbrand die als unsinkbar geltende "Titanic" mit Volldampf ins Verderben habe rasen lassen. Die Feuerwehren der Häfen von Southampton und Cherbourg seien darüber informiert gewesen, berichtete der Ingenieur auf der Jahrestagung der Geological Society of America in Denver. Brände in den Kohlebunkern von Dampfschiffen seien ein damals häufiges Problem gewesen, so Essenhigh.

Auch andere Experten stützen diese These. Sie halten es für möglich, dass das Feuer bei Testläufen der "Titanic" ausbrach und bereits schwelte, als die Passagiere an Bord des Schiffes gingen. Laut Molony versuchte ein Dutzend Männer die Flammen einzudämmen, brachten den Brand aber nicht unter Kontrolle.

"Feuer war bekannt, aber es wurde heruntergespielt"
Die Temperaturen im Kohlebunker hätten bis zu 1000 Grad Celsius betragen und die Stahlhülle des Dampfers bis zu 75 Prozent geschwächt. Das Bordpersonal sei angewiesen worden, das Feuer gegenüber den Passagieren nicht zu erwähnen, behauptet der Journalist. "Das Feuer war bekannt, aber es wurde heruntergespielt. Die 'Titanic' hätte niemals in See stechen dürfen", wird Molony im "Independent" zitiert. Ob das Schiff die Kollision mit dem Eisberg unbeschadet überstanden hätte, wäre der Rumpf durch den Brand nicht in Mitleidenschaft gezogen worden, wird sich aber wohl nicht mehr klären lassen ...

Wilhelm Eder
Redakteur
Wilhelm Eder
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