Do, 23. November 2017

Jahres-Ausblick

01.01.2017 15:07

Was Salzburg bewegt

Der Stichtag. Noch neun Monate und drei Tage bis zum 3. Oktober 2017. So lange, wie eine normale Schwangerschaft dauert. Doch es dreht sich nicht um die Geburt eines neuen Menschen, sondern um ein uraltes Problem der Stadt Salzburg: Am 3. Oktober ist bei unseren Nachbarn hinter der wieder streng bewachten Grenze der Tag der Deutschen Einheit. In Salzburg zelebriert die Politik zu diesem Zeitpunkt den Tag des Staus.

Was haben sie uns nicht alles nach dem Kollaps des Verkehrs am 3. 10. 2016 versprochen? Die Politik gerät in Zugzwang. "Krone"-Redakteure haben aufgedeckt, dass ein zweistelliger Millionen-Betrag auf Konten des Salzburger Verkehrsverbundes liegt. Man kann sich nicht einigen, wem das Geld gehört. Unserer Meinung nach sind es die Euros der Fahrgäste und der Steuerzahler und die mehr als zwanzig Millionen könnten sofort in die verwirklichbaren Projekte gesteckt werden:

  • Die Verlängerung der O-Buslinien in alle Umlandgemeinden.
  • Die Errichtung von drei Parkdecks mit je 2.000 Abstellplätzen, wie am Flughafen, im Westen, Norden und Süden der Stadt.
  • Eine Tarifzone (365 Euro im Jahr) für den Großraum.

Die Argumente gegen den Ausbau des O-Bus-Netzes und gegen die Errichtung dreier Garagen am Stadtrand gemeinsam mit der vernünftigen Erweiterung der Altstadt-Garage im Mönchsberg sind seltsam bis merkwürdig. Die einen stören die langen Gefährte, die anderen befürchten, dass die Oberleitungen ihr Ortsbild verschandeln, manche sehen eine Angliederung der Umlandgemeinden in die Stadt am Horizont (auch Gnigl oder Liefering waren ja im vorigen Jahrhundert selbstständige Orte) und die Zukunftsvision eines selbstfahrenden Elektrobusses scheint mit überhaupt die beliebteste Ausrede zu sein, um nicht gleich etwas tun zu müssen. Wann kommt denn das? Ich kenne die genauen Umstände des U-Bahn-Baus in der Millionen-Metropole Wien: Das Stadtzentrum versank jahrelang im Chaos. Stellen wir uns das in Salzburg vor: Die so genannte Stadtbahn braust in der Mitte der Alpenstraße und taucht dann im Nonntal in einen Tunnel ein, der unter der sensiblen Altstadt, der Salzach und dem Seeton am anderen Ufer zum Bahnhof führt. Die Fans dieses Bau-Abenteuers intervenieren heftig, doch an unserer Linie ist nicht zu rütteln: Diese Pseudo-U-Bahn würde die Stadt Salzburg in eine finanzielle und bautechnische Katastrophe führen. Höchstens die spendable Bauindustrie könnte einiges für die Wahl locker machen.

Was Salzburg bewegt, die "Krone" macht’s zum Thema
Ein hervorragendes Team zeigt täglich, wie moderner Qualitätsjournalismus funktioniert. Die erfreuliche Entwicklung auf dem Inseraten-Markt (die "Salzburg Krone" verzeichnet weiter Steigerungen) und bei den Zahlen der Abonnenten in print und e-paper (61. 384 "Krone"-Abos in Stamm-Land Salzburg im ersten Halbjahr 2016, die nächstfolgende Tageszeitung brachte es auf 51.151 Abos). Wir stehen im Vorhof der Macht. Dieses historische Motto des "Krone"-Gründers Hans Dichand gilt selbstverständlich auch für die Berichterstattung über die Probleme des Verkehrs, vor allem in den Großräumen Salzburg-Stadt und Zell am See. Doch unabhängige, kritische und überparteiliche Journalisten können nicht länger zusehen, wie Millionen an Steuergeld in abenteuerliche Sinnlos-Projekte wie die Salzach-U-Bahn oder den Tunnel unter dem Gitzen-Hügel gesteckt werden. Deshalb gilt: Der Count down läuft. In neun Monaten und drei Tagen ist der Tag. Ein gutes Neues Jahr 2017!

HANS PETER HASENÖHRL

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