Di, 21. November 2017

Nach Todesdrohungen

27.12.2016 10:47

Afghanistans erste Kampfpilotin bittet um US-Asyl

In ihrer Heimat Afghanistan wurde sie als erste Luftwaffenpilotin des Landes gefeiert. Jetzt hat die 25-jährige Niloofar Rahmani offenbar um Asyl in den USA ersucht. Die Pilotin habe gerade ein 15-monatiges Training in den USA absolviert und weigere sich nun, nach Afghanistan zurückzukehren, berichteten US-Medien am Weihnachtswochenende. Grund für den Asylantrag seien unter anderem Todesdrohungen der radikalislamischen Taliban gegen die junge Frau, hieß es. Der afghanische Sender Tolo TV berichtete am Dienstag hingegen, Rahmani habe sämtliche US-Medienberichte dementiert.

Der Sender bezog sich dabei auf einen Brief, den die 25-Jährige an das afghanische Verteidigungsministerium gerichtet habe. Darin habe sie ihre Entschlossenheit bekräftigt, Afghanistan zu dienen. In dem von Tolo TV in Auszügen veröffentlichten Brief schreibt Rahmani: "Ich bin sehr traurig über die Missinterpretationen und entschuldige mich bei allen Kollegen."

Anwältin Rahmanis: "Sie hat definitiv um Asyl angesucht"
Die Anwältin der Pilotin erklärte hingegen, Rahmani habe "definitiv um Asyl ersucht". Den US-Medienberichten zufolge habe Rahmani schon im Sommer Asyl beantragt, der Fall wurde aber erst jetzt öffentlich. Das "Wall Street Journal" berichtete von Todesdrohungen der Taliban, aber auch von Verwandten gegen die 25-Jährige. Der "New York Times" sagte Rahmani, ihre männlichen Kollegen bei der afghanischen Luftwaffe behandelten sie schlecht.

Die afghanische Regierung reagierte heftig. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammad Radmanish, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag, Rahmani habe die Drohungen gegen sie erfunden, um Asyl beantragen zu können. "Hätte sie wirklich Probleme gehabt, hätte sie sich bei zahlreichen Stellen beschweren können."

Medien jubelten über "schönste Pilotin der Welt"
Die Pilotin war national und international als Symbol für die neue Freiheit von Frauen in der Zeit nach der Taliban-Herrschaft in Afghanistan hochgehalten worden. Viele Fotostrecken zeigten sie mit Pilotenbrille und lässig getragenem Kopftuch, im eng anliegenden Fliegeroverall. Als "schönste Pilotin der Welt" oder "weibliche Top Gun" bezeichneten sie einige Zeitungen.

Schon als Kind habe sie Pilotin werden wollen, es sei ihr großer Traum gewesen, erzählte Rahmani oft. Ihre Vorbilder seien zwei Hubschrauberpilotinnen, die es während der Sowjetzeit in Afghanistan gab. Die Eltern hätten sie bei ihrem Traum unterstützt. Vor drei Jahren schloss sie schließlich ihre Ausbildung ab. Im Vorjahr verlieh ihr das US-Außenministerium den "Mutige Frauen"-Preis. First Lady Michelle Obama hielt die Rede und sagte, Niloofar Rahmani fliege weiter, trotz der Drohungen der Taliban und aus ihrer Familie.

Afghanen beschimpfen Pilotin als "Deserteurin" und "Feigling"
In den sozialen Medien werden Rahmanis Asyl-Motive nun emotional diskutiert. Die Frauenrechtlerin Waschma Frogh sagte beispielsweise, der Fall solle eine nationale Debatte über die Behandlung von Frauen in den Streitkräften auslösen. Der renommierte Journalist Bilal Sarwary sagte, das Land habe "diese Frau wie viele andere im Stich gelassen". Von anderen wurde Rahmani angesichts des sich verschärfenden Krieges im Land "Deserteurin" und "Feigling" genannt.

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