Mi, 13. Dezember 2017

Bekennervideo

23.12.2016 15:29

Hier schwört Anis Amri den IS-Mördern die Treue

Der mutmaßliche Berlin-Attentäter Anis Amri ist tot. Der 24-jährige Tunesier wurde in der Nacht auf Freitag in Mailand erschossen, nachdem er das Feuer auf zwei Polizisten eröffnet hatte. Wenige Stunden später veröffentlichte die Terrormiliz Islamischer Staat ein Bekennervideo des jungen Mannes. Das Video wurde vor dem Anschlag in Berlin aufgenommen. Darin schwört der "Terror-Teufel von Berlin", wie ihn die "Bild"-Zeitung getauft hatte, dem IS seine Treue und bekräftigt seine Entschlossenheit, die bei Luftangriffen im Nahen Osten getöteten Muslime zu rächen.

Das IS-Sprachrohr Amak bestätigte am Freitag die Tötung des mutmaßlichen tunesischen Verantwortlichen des Anschlags in Berlin. Auf der Webseite Amaks wurde zudem ein Bekennervideo veröffentlicht, das der 24-jährige Anis Amri vor dem Anschlag in Berlin aufgenommen hatte.

Video mit Handy-Kamera aufgenommen
Die Videoaufnahmen zeigen Anis Amri, der auf einer Fußgängerbrücke am Berliner Nordhafen mit weißen Kopfhörern im Ohr steht. Die Selfie-Kamera seines Mobiltelefons nimmt auf, wie er den Treueeid an den selbst ernannten IS-Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi spricht und seine Tat ankündigt. Der 24-Jährige erklärt in dem Video, er wolle als Märtyrer sterben.

Auffällig an den Aufnahmen sind die Kopfhörer, die der Tunesier im Ohr trägt: Möglicherweise wurde das Video in einem Livechat aufgenommen, jemand hätte dem 24-Jährigen auf diese Weise genaue Anweisungen für sein Bekenntnis geben können, berichtete die "Bild" auf ihrer Website.

Die Veröffentlichung des Bekennervideos folge jedenfalls der üblichen Vorgehensweise, die der IS auch nach den Anschlägen von Würzburg und Ansbach anwendete. Da Amri nun tot ist, konnte die Terrormiliz das Bekennervideo veröffentlichen, um zu beweisen, dass er tatsächlich mit den Islamisten in Kontakt stand, so die "Bild".

Der Tunesier war vor dem Lastwagenanschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche am Montagabend den deutschen Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder bekannt gewesen und stand zeitweise unter Beobachtung. Bei dem Anschlag in Berlin starben zwölf Menschen, es gab Dutzende Verletzte.

Alle Todesopfer identifiziert
Alle zwölf Todesopfer des Attentats sind laut einem Bericht von "Spiegel Online" identifiziert. Demnach handelt es sich um sechs Männer und sechs Frauen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, darunter seien je eine Frau aus Tschechien, Italien und Israel sowie ein Pole - der getötete Lkw-Fahrer Lukasz U. Bei den übrigen acht Todesopfern handle es sich um Deutsche. Unter den 45 Verletzten befinden sich demnach Staatsbürger aus Israel, Spanien, Großbritannien, Ungarn, Finnland und dem Libanon. Einige von ihnen kämpften auch am Freitag weiter um ihr Leben.

Der Fall Amri werfe eine Reihe von Fragen auf, sagte indessen die deutsche Kanzlerin Angela Merkel vor dem Hintergrund, dass der 24-jährige Tunesier den Behörden seit Monaten als islamistischer Gefährder bekannt war. Merkel erachtet rasche Konsequenzen für notwendig, um die Sicherheit der Bürger zu erhöhen. Es werde alles Menschenmögliche getan, "damit unser Staat ein starker Staat ist", sagte sie am Freitagnachmittag in Berlin.

Merkel: "Werden stärker sein als der Terrorismus"
"Unsere Demokratie, unser Rechtsstaat, unsere Werte, unsere Mitmenschlichkeit: sie sind der Gegenentwurf zur hasserfüllten Welt des Terrorismus. Und sie werden stärker sein als der Terrorismus", so Merkel mit Blick auf den IS, der die Urheberschaft des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt beansprucht.

Drängen auf schnellere Abschiebungen
Weil eine Abschiebung Amris gescheitert war, drängt Merkel jetzt zudem auf schnellere Rückführungen nach Tunesien. Sie habe mit dem tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi telefoniert. "Ich habe dem Präsidenten gesagt, dass wir den Rückführungsprozess noch deutlich beschleunigen und die Zahl der Zurückgeführten deutlich erhöhen müssen", so die Kanzlerin.

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