Do, 22. Februar 2018

Bis Heilig Abend

21.12.2016 09:38

"Weihnachtsstreik" bei Amazon in Deutschland

Für Online-Shopper, die noch nicht alle Geschenke beisammen haben, könnte es bis Heilig Abend knapp werden: Die deutsche Gewerkschaft Verdi hat Beschäftigte beim Versandhändler Amazon zu "Weihnachtsstreiks" aufgerufen. Mitarbeiter in Verteilzentren in Nordrhein-Westfalen und Bayern würden von Mittwoch in der Früh bis zum 24. Dezember die Arbeit niederlegen. Der Aufruf gelte auch für den Amazon-Standort Koblenz, wo die Beschäftigten bereits seit dem 19. Dezember im Ausstand seien.

"Die Beschäftigten fordern ein Ende der Unternehmenswillkür. Amazon muss seine Blockadehaltung aufgeben und einen Tarifvertrag abschließen, um gute Arbeitsbedingungen verbindlich zu garantieren. Dass bei Amazon über die Höhe der Löhne hinaus einiges im Argen liegt, zeigen unter anderem die exorbitant hohen Krankenquoten von 15 Prozent und mehr. Permanente Kontrollen, Arbeitshetze und körperlich belastende Tätigkeiten führen zu einer Extrembelastung für die Beschäftigten, das zeigt sich noch einmal besonders im Weihnachtsgeschäft", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

"Der Streik ist teuer für das Unternehmen"
Von der Wirksamkeit ihrer Maßnahmen zeigt sich die Gewerkschaft überzeugt: "Amazons Behauptung, die Streiks hätten keine Auswirkung, gehört klar ins Reich der Legenden. Der Streik ist teuer für das Unternehmen", sagte Nutzenberger. Aufgrund der Arbeitsniederlegungen käme es in den Versandzentren zu deutlichen Engpässen und zu hohen Kosten für Amazon.

In Werne etwa stauten sich bei einem der letzten Streiks über Stunden kilometerlang Lastwagen, die nicht be- oder entladen werden konnten. Wegen der flexiblen und damit für Amazon nicht kalkulierbaren Streikplanung halte das Unternehmen zudem Beschäftigte vor, die nicht zum Einsatz kommen, wenn doch kein Streik stattfindet. Allein in Leipzig liefen so für den Monat November 2016 rund 7000 sogenannte unproduktive Stunden auf.

Seit 2013 im Clinch
Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert bereits seit 2013 an. Verdi fordert für die Mitarbeiter in den deutschen Amazon-Versandzentren tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Amazon nimmt indes Vereinbarungen der Logistikbranche als Maßstab, in der weniger bezahlt wird. Der US-Konzern betont immer wieder, das Unternehmen sei auch ohne Tarifvertrag ein "verantwortungsvoller Arbeitgeber".

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