So, 20. Mai 2018

Kommission ermittelt

20.12.2016 12:37

Hat Facebook bei WhatsApp-Übernahme gelogen?

Hat Facebook bei der Übernahme von WhatsApp falsche Angaben über die Verknüpfung von Benutzerprofilen gemacht? Ja, vermuten die Brüsseler Wettbewerbshüter der EU-Kommission und haben das soziale Netzwerk daher am Dienstag aufgefordert, sich bis Ende Jänner zu den Vorwürfen zu äußern.

Nach Angaben der EU-Kommission hatte Facebook bei der Anmeldung der milliardenschweren Übernahme von WhatsApp 2014 erklärt, dass es nicht möglich sei, einen zuverlässigen automatischen Abgleich zwischen den Benutzerkonten beider Unternehmen einzurichten. Die Möglichkeit dieses Abgleichs habe aber in Wahrheit bereits damals bestanden, kritisierte die EU-Behörde.

"Daher befürchtet die Kommission zum jetzigen Zeitpunkt, dass Facebook der Kommission gegenüber vorsätzlich oder fahrlässig falsche oder irreführende Angaben gemacht und damit seine Verpflichtungen nach der EU-Fusionskontrollverordnung verletzt hat." Das sei eine vorläufige Einschätzung, schränkte die Brüsseler Behörde ein.

Facebook wies diese prompt zurück: "Wir haben stets korrekte Informationen über unsere technischen Möglichkeiten und Pläne zur Verfügung gestellt", betonte ein Sprecher. Das sei sowohl bei den Angaben zur Übernahme 2014 als auch zu den Plänen für eine Verknüpfung der Daten in diesem Jahr so gewesen. Facebook sei zuversichtlich, dass eine ausführliche Prüfung dies bestätigen werde.

Ein Prozent des Jahresumsatzes als Strafe
Der Kommission nach wird die Erlaubnis der Übernahme an sich nicht infrage gestellt, weil dafür auch andere Faktoren den Ausschlag gegeben hätten. Dennoch kann sie wegen falscher Angaben bei der Prüfung eine Strafe verhängen, die ein Prozent vom Jahresumsatz des Unternehmens ausmachen kann. Facebook kam 2015 auf Erlöse von knapp 18 Milliarden Dollar und übertraf diesen Wert bereits in den ersten drei Quartalen dieses Jahres mit 18,8 Milliarden Dollar.

WhatsApp war 2014 für etwa 22 Milliarden Dollar von Facebook gekauft worden. Das Netzwerk hatte damals erklärt, dass die Daten bis auf Weiteres getrennt bleiben und WhatsApp weiterhin unabhängig agieren solle. Auch jetzt versicherte Facebook, dass man keinen Zugang zu Inhalten der Kurznachrichten habe - auch weil diese verschlüsselt seien. Mithilfe der WhatsApp-Daten sollen Facebook-Nutzer aber nach Angaben des sozialen Netzwerks relevantere Werbung und bessere Freunde-Vorschläge bekommen.

 krone.at
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