Mo, 23. Oktober 2017

Evakuierungen laufen

19.12.2016 16:11

Aleppo: UNO-Beobachtermission beschlossen

Der UN-Sicherheitsrat hat die Entsendung einer Beobachtermission ins syrische Aleppo beschlossen. Das Gremium votierte am Montag einstimmig für eine entsprechende Resolution - auch die USA und Russland zogen also an einem Strang. Die Beobachter sollen die Evakuierungsaktionen aus dem bisher von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt überwachen und über die Lage der verbliebenen Bewohner berichten. Noch sollen dort "Abertausende" Menschen unter katastrophalen Umständen ausharren, berichten Hilfskräfte.

Rund 5000 Menschen haben laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) unterdessen seit der Wiederaufnahme der Evakuierung Ost-Aleppos am Sonntagabend die letzten Rebellengebiete der Stadt verlassen. Busse hätten sie in das Umland südwestlich der zerstörten Metropole gebracht, meldete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag.

Auch Evakuierung von Schiiten-Orten angelaufen
Im Gegenzug begann der Transport von Zivilisten aus den von Rebellen belagerten Orten Foua und Kefraya im Nordwesten Syriens. Diese werden vor allem von Schiiten bewohnt.

Die Evakuierung Ost-Aleppos war am Sonntagabend nach einer mehrtägigen Pause wieder aufgenommen worden. Syriens Führung und Rebellengruppen hatten sich zuvor auf eine neue Vereinbarung geeinigt, die auch den Transport von Verwundeten, Kranken und anderen Zivilisten aus Foua und Kefraya vorsieht. Damit wird eine Forderung des mit Syrien verbündeten Iran erfüllt. Dieser unterstützt schiitische Milizen, die in Syrien an der Seite der Armee kämpfen.

"Abertausende" warten noch auf rettende Busse
Menschenrechtsbeobachter und Aktivisten berichteten, seit Sonntagabend hätten mehr als 50 Busse aus Ost-Aleppo das Umland im Südwesten der Stadt erreicht. Laut Angaben der Beobachtungsstelle wurden seit Beginn der Evakuierung in der Vorwoche rund 13.000 Menschen aus den Rebellengebieten gebracht. "Abertausende" Menschen warteten noch darauf, aus der Stadt gebracht zu werden, so IKRK-Sprecherin Ingy Sedky, die die Zahl der bisher aus der Stadt Gebrachten auf 15.000 bezifferte. Laut dem türkischen Außenminister Mevlut Cavusoglu liegt sie bei 20.000.

Wegen der monatelangen Blockade ist die humanitäre Lage in Ost-Aleppo katastrophal. Der Mediziner Ahmad al-Dbis, Chef einer Gruppe Mediziner und Freiwilliger, die die Evakuierungsaktionen koordiniert, sagte, viele Familien seien angesichts der Kälte in mehrere Lagen Kleidung gehüllt, sie wurden bei ihrer Ankunft zunächst mit Trinkwasser und Lebensmitteln versorgt. Menschen hätten mehr als 16 Stunden lang an einem Kontrollpunkt der Regierung ausharren müssen, ohne die Busse verlassen zu dürfen. "Sie haben nichts gegessen, sie haben nichts getrunken, die Kinder sind erkältet, sie konnten nicht auf die Toilette gehen."

Auch siebenjährige Twitterin Bana verließ Aleppo
Unter den aus der Stadt Gebrachten war auch die siebenjährige Bana aus Ost-Aleppo, die mit ihren Twitter-Meldungen aus der zerbombten Stadt zum Symbol der Kriegshölle wurde. Sie traf mit ihrer Familie im Gebiet Rashidin ein und sollte weiter in ein Camp in Idlib gebracht werden, wie die türkische islamische Hilfsorganisation IHH mitteilte.

In der am Montag beschlossenen UNO-Resolution werden alle Kriegsparteien dazu aufgerufen, die Sicherheit der UN-Vertreter zu garantieren und ihnen freien Zugang in die Konfliktgebiete zu gewähren. Die UNO-Vetomächte USA und Russland demonstrierten hier in der Frage humanitärer Hilfe seltene Einigkeit, obwohl beide Großmächte in Syrien höchst unterschiedliche Ziele verfolgen: Während Russland den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad an der Regierung halten will, unterstützen die USA jene Rebellengruppen, die sie als gemäßigt einstufen.

Assad-Diplomat: UNO-Beschluss "Propaganda gegen Syrien"
Der syrische UNO-Botschafter Bashar Jaafari zeigte sich in einer ersten Reaktion empört über den Beschluss: Dieser sei "Teil der fortgesetzten Propaganda gegen Syrien und seinen Kampf gegen Terroristen", sagte der Diplomat am Montagnachmittag.

 krone.at
Redaktion
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